22 HETEROPTERON Heft 26 / 2008 Neue Nachweise von Arocatus longiceps ST¯L, 1872 in den Bundeslndern Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Niedersachsen (Heteroptera, Lygaeidae) ROLAND ACHTZIGER & URSULA NIGMANN Some new data are given on the occurrence of Arocatus longiceps Stl, 1872 (Heteroptera: Lygaeidae) from hibernation sites below bark scales of Platanus trees in Saxony (e.g. Leipzig), Saxony-Anhalt (e.g. Halle/Saale, Dessau, Magdeburg), Thuringia (Altenburg), Brandenburg (Potsdam) and Lower Saxony (Braunschweig). Die pontomediterrane Lygaeide Arocatus longiceps ST¯L, 1872 zeigt seit ihrem ersten Auftreten 1995 in Mitteleuropa (Steiermark, s. ADLBAUER & FRIESS 1996) eine rasante Ausbreitung nach Norden (z.B. RABITSCH 1998, RIETSCHEL 1998). Seit einigen Jahren wird A. longiceps auch in Deutschland nachgewiesen, wobei zwei Ausbreitungsstrngezu erkennen sind: Im Südwest- und West-Deutschlands (Rheintal bis Kln, s. RIETSCHEL 2003, 2007, HOFFMANN 2004) und Mittel- bzw. Ostdeutschland (Elbtal Sachsen/Sachsen-Anhalt). So konnten MNCH & MNCH (2007) die Art seit 2003 in Dresden und nachfolgend an zahlreichen Orten entlang des schsischen Elbtals nachweisen; dagegen waren noch im Winter 2006/07 in anderen Stdten Sachsens und Sachsen-Anhalts wie Leipzig, Chemnitz oder Wittenberg trotz intensiver Suche keine Individuen zu finden (M. MNCH, frdl. Mitteilung). A. longiceps kann im berwinterungsquartier unter der Rinde von Platanen (Platanus spp. und Hybriden) sehr gut festgestellt werden. Im Winter 2007/2008 kontrollierten die Autoren im Rahmen eines Projekts zur Ausbreitung von A. longiceps verschiedene Platanenstandorte in Mitteldeutschland (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen). Bei diesen Kontrollen an Platanen gelangen im November 2007 die ersten Nachweise von A. longiceps in Leipzig (Sachsen) sowie im etwa 40 km nordwestlich gelegenen Halle/Saale (Sachsen- Anhalt), von wo die Art bis jetzt noch nicht bekannt war. Im Januar 2008 konnten Nachweise auch aus weiteren Stdten Sachsens (Eilenburg, Taucha) und Sachsen-Anhalts (Bitterfeld, Dessau, Magdeburg), im Dezember 2007 auch aus Thüringen (Altenburg), erbracht werden. Zustzlich wurde A. longiceps bei einer sporadischen Suche in Braunschweig (Niedersachsen) im Dezember 2007 sowie von unserem Kollegen ANDRGNTHER in Potsdam (Brandenburg) festgestellt. Die Art breitet sich derzeit offenbar im mittel- und ostdeutschen Raum nordwrts aus. Bei zahlreichen Kontrollen konnten neben A. longiceps die als Mit-berwintererauch aus anderen Studien (z.B. HOFFMANN 2004) bekannten Arten Scoloposthetus pictus (SCHILLING, 1829), Deraeocoris lutescens (SCHILLING, 1837) und Pentatoma rufipes (LINNAEUS, 1758) (Larvenstadium L2) festgestellt werden. Dagegen war die Platanengitterwanze Corythucha ciliata (SAY, 1832) bei den bisherigen Kontrollen von November 2007 bis Januar 2008 nicht nachzuweisen; sie wurde aber Ende 2006 in Dresden gefunden (MNCH & MNCH 2007). Als Beitrag zur Dokumentation der Ausbreitung von Arocatus longiceps sind in Tab. 1 die bisherigen Funddaten für Bundeslnder und Stdte zusammengestellt. Im Rahmen des EU- Projektes MACIS (Minimisation of and Adapation to Climate change Impacts on Biodiversity) werden die Autoren die Ausbreitungswege von A. longiceps weiter hinsichtlich mglicher Einflussfaktoren analysieren und dabei neben der Kartierung der Vorkommen auch genetische Analysen durchführen, insbesondere auch zur Abgrenzung zu A. roeselii (SCHILLING, 1829). Gerne nehmen wir auch Hinweise zu weiteren Vorkommen insbesondere in Mittel- und Ostdeutschland entgegen. Unser Dank geht an Frau DORIS MNCH, Herrn MICHAEL MNCH (beide Chemnitz) und Herrn ANDR