Nuklearmedizin 2/2011 1 © Schattauer 2011 Originalarbeit Diagnostischer Referenzwert Kritische Wertung des Begriffes am Beispiel nuklear- medizinischer Untersuchungen in Österreich A. Stemberger 1 ; T. Leitha 2 ; A. Staudenherz 3 1 Stabsstelle Medizinphysik der Ärztlichen Direktion, Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien, Österreich; 2 Ambulanz für nuklearmedizinische Diagnostik und Therapie – Sozialmedizinisches Zentrum Ost – Donauspital, Wien; 3 Universitätsklinik für Nuklearmedizin, Medizinische Universität Wien – AKH Wien, Österreich Keywords Nuclear medicine diagnostics, diagnostic reference levels, effective dose, collective dose Summary The aim of this study was to collect adminis- tered activities of important nuclear medicine diagnostic examinations and to identify fre- quencies as well as age distributions in the light of hybrid devices in Austria. Based on the survey data a re-evaluation of dose reference levels for nuclear medicine has been published in June 2010 in the novella of the Austrian Medical Radiation Protection Regulation (MedStrSchV) (8), also an estimate of the aver- age individual doses of the total population. Accurate data on nuclear medicine studies of 34% of all Austrian nuclear medicine units could be collected. Results: Extrapolated there are about 150 000 nuclear medicine examina- tions per year performed in Austria. The median age of patients is thereby 62 years. The results of this study resulted in 65% of the dose refer- ence values to change, whereas 48% had to be revised downwards and 17% upwards. Addi- tionally, 5 new reference values were included Korrespondenzadresse: A.o. Univ.-Prof. Dr. Anton Staudenherz Univ.-Klinik für Nuklearmedizin (AKH, 3L) – MUW Waehringer Gürtel 18–20, 1090 Wien, Österreich Tel. +43/1/404 00 55 51, Fax +43/1/404 00 55 32 E-Mail: anton.staudenherz@meduniwien.ac.at in the list; three more were taken out, however. The estimation of the individual effective patient dose for each offered examination was on aver- age 4.7 mSv. An extrapolation based on the total exposure of the population with regard to unin- volved persons and children led to 0.07 mSv per year by nuclear medicine examinations. Con- clusion: The published diagnostic reference valu- es correspond to the normal investigative prac- tice in Austria and are compliant with most inter- national recommendations. The term „optimal value“ has been removed from the text of the law, because such wording would be mislead- ing. Schlüsselwörter Nuklearmedizinische Diagnostik, diagnosti- sche Referenzwerte, effektive Dosis, Kollektiv- dosis Zusammenfassung Das Ziel dieser Arbeit lag in der Erfassung von applizierten Aktivitäten wichtiger nuklearme- dizinischer diagnostischer Untersuchungen und der Bestimmung von Häufigkeiten als auch Altersverteilungen unter Berücksichtigung von Diagnostic reference value – Critical evaluation of the term with the example of nuclear medicine studies in Austria Nuklearmedizin 2010; 49: ■■ doi:10.3413/Nukmed-0379-11-01 Eingegangen: 14. Januar 2010 angenommen in revidierter Form: 31. Januar 2011 prepublished online: 21. Februar 2011 Hybridgeräten in Österreich. Anhand der Erhe- bungsdaten erfolgte eine Reevaluierung der Dosisreferenzwerte für die Nuklearmedizin im Rahmen der im Juni 2010 veröffentlichten No- velle der österreichischen Medizinischen Strahlenschutzverordnung (MedStrSchV) [8] und eine Abschätzung der durchschnittlich in- dividuellen Dosen der Gesamtbevölkerung. Es konnten exakte Daten über nuklearmedizi- nische Untersuchungen von 34% der österrei- chischen nuklearmedizinischen Einheiten er- hoben werden. Ergebnisse: Es werden hoch- gerechnet ca. 150 000 nuklearmedizinische Untersuchungen pro Jahr in Österreich durch- geführt. Das mediane Alter der Patienten be- trägt dabei 62 Jahre. Die Ergebnisse der vor- liegenden Studie führten bei 65% der Dosisre- ferenzwerte zu Veränderungen, wobei 48% nach oben und 17% nach unten zu revidieren waren. Zusätzlich wurden 5 neue Referenz- werte in die Liste aufgenommen, drei weitere wurden hingegen herausgenommen. Die Ab- schätzung der individuellen effektiven Patien- tendosis für jede einzelne angebotene Unter- suchungsform betrug im Mittel 4,7 mSv. Eine Hochrechnung bezüglich der Gesamtexpositi- on der Bevölkerung mit Berücksichtigung un- beteiligter Personen und Kinder ergab 0,07 mSv/Jahr durch nuklearmedizinische Unter- suchungen. Schlussfolgerung: Die veröffent- lichten diagnostischen Referenzwerte (DRWs) entsprechen der üblichen Untersuchungspra- xis in Österreich und sind mit der Mehrzahl in- ternationaler Empfehlungen konform. Der Be- griff „Optimalwert“ wurde aus dem Geset- zestext herausgenommen, da eine solche Wortwahl irreführend wäre. Dosisreferenzwerte (diagnostische Refe- renzwerte – DRWs) stellen einen wichtigen Teilaspekt der angestrebten Optimierung diagnostischer Untersuchungen im Bereich der Radiologie und der Nuklearmedizin dar. In der EU-Richtlinie 97/43/Euratom (12) wird im Artikel 4 (1a) gefordert, alle Dosen aufgrund medizinischer Expositio- nen zu radiologischen Zwecken so niedrig zu halten, wie dies unter Berücksichtigung wirtschaftlicher und sozialer Faktoren zur Gewinnung der benötigten diagnostischen Informationen möglich und vertretbar ist. Weiters wird im Artikel 4 (2a) die För- derung der Erstellung und Anwendung Di-