Buchheim & Kächele 2007 24.12.2014 1 Buchheim A, Kächele H (2007). Nach dem Tode der Eltern. Bindung und Trauerprozesse Forum Psychoanal 23: 149-160 Anna Buchheim & Horst Kächele Nach dem Tode der Eltern. Bindung und Trauerprozesse Der Verlust der Eltern steht fast jedem ins Haus; erstaunlich ist jedoch wie wenig dieses Thema auch in dem Gebiet, das sich besonders mit lebensgeschichtlich bedeutsamen Bindungs- Trennungserfahrungen beschäftigt, bearbeitet wurde. Seit Freuds Arbeit zur strukturellen Äquivalenz von Trauer und Melancholie sind die Prozesse, die den Kern der Freud´schen Trauerarbeit ausmachen, ein bedeutsames klinisches Thema. Wir möchten anregen, mit der Begrifflichkeit der Bindungstheorie auszubuchstabieren, was mit den inneren Bildern der Eltern nach deren Tode passiert. Was sind deren Schicksale, was sind die Nach- und Auswirkungen des Verlusts einer oder beider Eltern. Angeregt wurden wir durch die seltene Gelegenheit, eine ehemalige analytische Patientin in einem katamnestischen Gespräch auf diese Aspekte hin zu untersuchen. Die Patientin, deren Behandlung Gegenstand vielfältiger Studien 1 war (Kächele et al. 2006a,b; Thomä & Kächele 2006) mit dem Adult Attachment Interview 25 Jahre nach Abschluss ihrer Behandlung zu interviewen, erlaubt einen Blick auf einen bislang wenig beachteten Aspekt der Bindungsrepräsentation. Trauer und Bindung Der Kinderpsychiater und Psychoanalytiker Bowlby führte im Auftrag der WHO eine Untersuchung zur Verarbeitung von Trennungs- und Verlusterfahrungen bei kleinen Kindern durch. Er sollte das Schicksal heimatloser Kinder im Nachkriegs-Europa dokumentieren (Bowlby 1953). Aus diesem Erfahrungsraum und aus dem Kontext der sich anbahnenden Hospitalismus- Diskussion entstanden die ersten psychoanalytischen Arbeiten zu dem Thema Trauer und Verlust (Bowlby 1958, 1960, 1961). 1 Eine ausführliche klinische Darstellung der Patientin und ihres Behandlungsverlaufes findet sich im dritten Band des Ulmer Lehrbuches (Kap. 4.1-3)