A. Dimitrakopoulou-Strauss Klinische Kooperationseinheit Nuklearmedizin, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg PET-CT in der nuklear- medizinischen Diagnostik des multiplen Myeloms Das multiple Myelom (MM) ist eine durch Plasmazellvermehrung charak- terisierte maligne Erkrankung, die mit vermehrter Produktion mono- klonaler Immunglobuline einher- geht. Diese sind in Serum und/oder Urin nachweisbar. Das MM ist nach den Leukämien und Non-Hodgkin- Lymphomen die dritthäufigste häma- tologische Neoplasie und macht ca. 1% aller Tumoren in Deutschland aus [1]. Dem MM geht in der Regel eine monoklonale Gammopathie unkla- rer Signifikanz (MGUS) voraus [2]. Et- wa 1% der Patienten mit MGUS ent- wickelt ein behandlungsbedürftiges MM oder eine andere lymphoprolife- rative Erkrankung [3]. Klinik Wesentliche klinische Symptome bei der Diagnosestellung sind Knochen- schmerzen, Schwächegefühl, Infektions- anfälligkeit, Hyperkalzämie, Anämie so- wie Gewichtsverlust. Knochenschmerzen und Hyperkalzämie entstehen durch die Vermehrung der Plasmazellen im Kno- chenmark, die durch Stimulation von Osteoklasten fokale Osteolysen oder ei- ne diffuse Osteoporose verursachen kön- nen, mit der Folge pathologischer Frak- turen und lokaler Kompressionseffekte. Die Verdrängung des normalen Knochen- marks durch die Plasmazellen kann wei- terhin zu einer Anämie, Leukopenie und/ oder Thrombozytopenie führen, mit ent- sprechenden klinischen Symptomen. Zu- dem kann eine Nierenschädigung durch die Ausscheidung von Leichtketten im Urin entstehen. Differenzialdiagnostik Die Differenzialdiagnostik des MM von anderen monoklonalen Plasmazeller- krankungen ist ein wichtiger Aspekt. Ins- besondere die Abgrenzung eines MM von einer MGUS, aber auch von einem „smol- dering multiple myeloma“ (SMM) ist von klinischer Bedeutung, da sich hieran die Indikation zur Therapie orientiert. Das SMM stellt eine Zwischenstufe der MM dar und hat ein 10%iges Risiko einer Pro- gression zu einem MM innerhalb der ers- ten 5 Jahre [4]. Sowohl MGUS als auch SMM stellen jedoch z. Z. keine Thera- pieindikation dar. Die Abgrenzung eines solitären Plasmozytoms von einem MM ist eine weitere wichtige Fragestellung für die Differenzialdiagnostik, da ein solitä- res Plasmozytom lokal behandelt werden kann, sofern tatsächlich keine systemische Plasmazellerkrankung vorliegt. Leider er- weist sich oft im Verlauf, dass dies doch nicht der Fall ist. Stadieneinteilung Die Einteilung des MM erfolgt z. B. nach Durie und Salmon oder nach dem Inter- national Staging System (ISS). Die Ein- teilung nach Durie und Salmon wurde 1975 eingeführt und unterscheidet 3 Sta- dien unter Berücksichtigung der Anzahl der Osteolysen in der Bildgebung. Stadi- um I bedeutet maximal eine Osteolyse, während Stadium III mit mehr als 2 Os- teolysen vereinbar ist [5]. Seit 2006 wur- de das Durie-Salmon-plus-Einteilungs- system eingeführt, das fokale Läsionen in der MRT oder PET-CT miteinbezieht [6]. Dagegen werden im ISS nur β-2-Mikro- globulin und Albumin berücksichtigt. Mit Blick auf die Therapieindikation ist heu- te die Einteilung der International Myelo- ma Working Group (IMWG) in asympto- matische und symptomatische Plasmazel- lerkrankungen am wichtigsten (s. Beitrag von Goldschmidt u. Mai in diesem Heft). Zu diesem Zweck werden die sogenann- ten CRAB-Kriterien verwendet, die sich aus den englischen Wörtern F „hypercalcemia“ (Serumkalzium >10,5 mg/dl), F renal insufficiency“ (Kreatinin ≥2 mg/dl), F anemia“ (Hb <10 g/dl) und F bone lesions“ ableiten. Allein die Erfüllung eines Kri- teriums reicht aus, um eine Behandlung einzuleiten. Da eine Knochenbeteiligung mit Osteolyse oder eine Osteoporose mit einer Kompressionsfraktur eine Indika- tion für die Einleitung einer Therapie be- deutet, ist der Einsatz bildgebender Ver- fahren wichtig. Bildgebende Verfahren Die Erstdiagnose des MM basiert auf La- boruntersuchungen im Blut und Urin, die endgültige Diagnose wird durch eine Knochenmarkpunktion mit zytologischen und genetischen Untersuchungen gestellt. Bildgebende Verfahren werden im Rah- Radiologe 2014 DOI 10.1007/s00117-013-2629-8 © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014 1 Der Radiologe 2014 | Leitthema