Reinold E. Thiel (Hg.): Neue Ansätze zur Entwicklungstheorie. Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung (DSE). Informationszentrum Entwicklungspolitik (IZEP). Bonn: DSE/IZEP 2. Aufl. 2001. S. 218-238. "Autozentrierte Entwicklung" – Überlegungen zur Neufundierung eines immer noch wichtigen Konzeptes Wolfgang Hein One cannot make a tree grow faster by pulling it from outside; it has to grow from its roots." (Deborah Brautigam: Governance and Economy. A Review. World Bank, Policy Research Working Papers, Dec. 1991, p.40) Schubladendenken ist selten erkenntnisfördernd. Im Gegen- satz dazu ist es häufig sehr fruchtbar, Überlegungen aus unter- schiedlichen wissenschaftlichen Diskursen miteinander zu ver- knüpfen. Das einleitende Zitat von Deborah Brautigam aus einer Weltbankstudie über "Governance" verstehe ich als eine Einla- dung zu letzterem, denn "Wachsen aus den eigenen Wurzeln" erweckt zweifellos Assoziationen mit der Idee "autozentrierter Entwicklung". Der durch neoliberale Politik erst richtig "ent- fesselte" Globalisierungsprozeß hat inzwischen Ergebnisse ge- zeitigt, die eine ganze Reihe von Aspekten der Dependenzdis- kussion erneut aktuell erscheinen lassen – vor allem die Dimen- sion der "ungleichen Entwicklung" im räumlichen wie im sozio- ökonomischen Sinne; und das läßt wiederum die Frage in- teressant erscheinen, ob die dem Diskurs über "autozentrierte Entwicklung" anscheinend vollkommen entgegengesetzten Kon- zepte von "good governance" und Wettbewerbsfähigkeit als Leit- ziele nicht doch Defizite aufweisen, die geradezu nach einer Kor- rektur verlangen. Muß nicht die Forderung nach "good gov- ernance", wenn sie in einem entwicklungsorientierten Diskurs ü- berhaupt Sinn machen soll, die Frage nach den spezifischen lo- kalen Entwicklungspotentialen und -problemen implizieren und damit auch die Frage nach einer an diesen Potentialen orientier-