1083 Konsensus | Review article
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Die Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien –
eine Zusammenfassung der deutschen S3-Leitlinie
Prevention of HPV-associated neoplasias by vaccination – short version of
the German S3 (level 3) guideline
Autoren G. Gross
1
L. Gissmann
2
P. Hillemanns
3
H. Ikenberg
4
A. M. Kaufmann
5
K. U. Petry
6
H. Pfister
7
P. Schneede
8
A. Schneider
9
S. Smola
10
für das HPV-Management Forum
1
Institutsangaben am Ende der Arbeit
Einleitung
5
In den vergangenen Jahrzehnten wurde gezeigt,
dass die Infektion mit humanen Papillomviren
(HPV) vom Hochrisiko-Typ die Entwicklung von
Zervixkarzinomen und deren Vorläufern verursacht.
Die wichtigsten Hochrisiko-HPV-Typen sind 16 und
18. Diese und weitere Hochrisiko-Typen verursa-
chen auch andere Karzinome der Genitoanalregion
und Vorstufen, z.B. Vulva-, Vaginal-, Penis- und
Analkarzinome. Darüber hinaus sind HPV für einen
Teil der Fälle von Tonsillen- und Kehlkopfkarzino-
men verantwortlich. HPV vom Niedrigrisiko-Typ (6
und 11) verursachen Genitalwarzen und Papilloma-
tosen des oberen Respirationstrakts, v.a. des Larynx.
Die Entwicklung eines bivalenten (HPV 16 und 18)
und eines tetravalenten Impfstoffes (HPV 6, 11, 16
und 18) ermöglicht es Ärzten, die Infektion mit die-
sen Viren und die Bildung von Krebsvorstufen zu
verhindern. Im Falle des tetravalenten Impfstoffes
wirkt diese Primärprävention auch gegen die Ent-
stehung von Genitalwarzen. Die S3-Leitlinie „Impf-
prävention HPV-assoziierter Neoplasien“ richtet
sich an Ärzte in Klinik und Praxis, die an der Imp-
fung zur Prophylaxe HPV-induzierter Anogenital-
neoplasien beteiligt sind. Die Ständige Impfkom-
mission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung gegen
die karzinogenen Typen HPV 16 und 18 bei Mäd-
chen von 12–17 Jahren. Die S3-Leitlinie soll helfen,
die Impfempfehlung umzusetzen und eine mög-
lichst hohe Durchimpfungsrate zu erreichen.
Testverfahren zum Nachweis von HPV
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Der Standard zur HPV-Detektion im Abstrich ist
der Nachweis viraler DNA. Standardisierte Metho-
den sind die PCR und der Hybrid-Capture-2-(HC2-)
Test. Es hat sich gezeigt, dass eine HPV-Impfung
keinen Einfluss auf eine bestehende Infektion hat.
Daraus könnte man schließen, dass einer HPV-
Impfung ein Test vorausgehen sollte. Dies wird aus
folgenden Gründen nicht empfohlen:
1) Persistierende HPV-Infektionen sind überwie-
gend Einzelinfektionen, so dass in den meisten
Fällen ein Schutz gegen weitere Impfstofftypen
gegeben ist.
2) Ein negativer DNA-Test schließt nicht aus, dass
eine Frau schon vorher HPV-infiziert war. Die
überwundene Infektion bietet keinen sicheren
Schutz vor Re-Infektion, die Impfung schon.
3) Etwa die Hälfte der HPV-infizierten Frauen se-
rokonvertiert und es bilden sich Antikörper (AK)
gegen HPV. Diese AK-Titer sind in den meisten
Fällen niedriger als nach erfolgter HPV-Impfung.
4) Gegenwärtig ist kein validiertes HPV-Testsys-
tem verfügbar, das einen spezifischen Nachweis
impfrelevanter HPV-Typen zu vertretbaren Kosten
ermöglicht.
5) Eine umfassende HPV-Testung in der Alters-
gruppe ab 18 Jahren würde zahlreiche passagere
Infektionen ohne klinische Bedeutung identifizie-
ren, was zu einer Verunsicherung von Frauen und
Ärzten führen würde.
6) Gegenwärtig ist kein Testsystem zum serologi-
schen Nachweis der typspezifischen Immunant-
wort auf die HPV-Impfstofftypen vorhanden.
HPV-Impfstoffe
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Bisher gibt es zwei Präparate als prophylaktische
Impfstoffe zur Verhinderung von HPV-Infektio-
nen. Beide basieren auf „virus-like-particles“
(VLPs), also leeren Viruskapseln ohne virale
DNA. Diese VLPs sind nicht infektiös, können
kurzgefasst
Ein HPV-Test zur Entscheidungsfindung vor ei-
ner Impfung ist gegenwärtig nicht indiziert, da
geeignete Testsysteme fehlen und der Test nur
mangelnde praktische Konsequenzen hat. Die
HPV-Testung ist eine wesentlich Ergänzung der
zytologischen Untersuchung für die Prävention
des Zervixkarzinoms (S2K-LL der DGGG [3]).
Gynäkologie
Schlüsselwörter
q
Prophylaktische
HPV-Impfung
q
S3-Leitlinie
q
Kurzfassung
q
HPV-Management Forum
Keywords
q
vaccination
q
German evidence-based
medicine guideline
q
short-version
q
HPV-Management Forum
eingereicht30. 9. 2009
akzeptiert 19.2.2010
Bibliografie
DOI 10.1055/s-0030-1253704
Dtsch Med Wochenschr 2010;
135: 1083–1086 · © Georg
Thieme Verlag KG Stuttgart ·
New York · ISSN 0012-0472
Korrespondenz
Prof. Dr. G. Gross
Universitätsklinik und Poliklinik
für Dermatologie und
Venerologie
Universitätsklinikum Rostock
Strempelstraße 13
18057 Rostock
Tel. 0381/4949701
Fax 0381/4949702
eMail
gerd.gross@med.uni-rostock.de
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