....... 256 Natur und Museum 136 (11/12) 2006 Unbekanntes Land am Sahelrand: Die Vielfalt von Flora und Vegetation in Burkina Faso Prof. Dr. Rüdiger Wittig zum 60. Geburtstag gewidmet Karen Hahn-Hadjali, Adjima Thiombiano, Stefan Dressler, Marco Schmidt & Georg Zizka ................................. Die Erwähnung von Burkina Faso führt häufig zu fragenden Blicken; eine geographische Einordnung gelingt dann allenfalls über die Zuordnung zu den Sahelländern Westafrikas, die im Zuge von Dür- ren und anderen Katastrophen von Zeit zu Zeit in den Medien erscheinen. Im Gegensatz zu diesen Bildern steht der erste Eindruck vor Ort, wenn man zum ersten Mal in der Regenzeit in Burkina Faso ankommt: Man ist überrascht von der üppigen grünen Vielfalt der weiten Savannen. Das ehemalige Obervolta gehörte lange Zeit zu den wenig erforschten Ländern Westafri- kas (siehe Infokasten rechts), u. a. aufgrund seiner Lage im Hinterland der vielfältigeren und besser zugänglichen Küstenländer wie der Elfenbeinküste oder Ghanas. Nicht zu- letzt aufgrund der Dürrekatastrophen in den 1970er und 80er Jahren hat das Forschungs- interesse zugenommen, die Zusammenhänge von Artendiversität, Vegetationsveränderun- gen, Klimawandel und menschlichen Einflüs- sen zu ergründen. Betrachtet man Wirtschaftsdaten wie z. B. das „Pro-Kopf-Einkommen“, so gehört Burki- na Faso zu den zehn ärmsten Ländern der Erde. Die naturräumlichen und geologischen Gegebenheiten bieten dem Land nur wenige Einkommensquellen. Nennenswerte Boden- schätze fehlen ebenso wie die Voraussetzun- gen für einen umfangreichen Ausbau des Tourismus (z.B. Strände). Damit wird deut- lich, dass die natürliche Vielfalt, die Biodiver- sität, unmittelbare Lebensgrundlage für den allergrößten Teil der Burkinabé ist. Ihren Lebensunterhalt erwirtschaften die Einwoh- ner der ländlichen Regionen als Viehzüchter und – im feuchteren Süden – als Feldbauern. Darüber hinaus decken sie einen großen Teil ihrer alltäglichen Bedürfnisse durch die Nut- zung zahlreicher Wildpflanzen: als zusätz- liche Nahrung und Gewürze, Bau- und Brenn- material, für die Herstellung von allerlei Werk- zeugen, für Kosmetik und Körperpflege, vor allem aber auch als Heilpflanzen. Die Bedeu- tung letzterer kann gar nicht hoch genug geschätzt werden, da für einen großen Teil der Bevölkerung industriell hergestellte (d. h. importierte) Medikamente unerschwinglich sind. Für die Zubereitung ihrer Mahlzeiten Abb. 1 Die Savannen der Su- danzone sind durch eine dichte kontinuier- liche Grasschicht und eine Vielzahl verschie- dener Baum- und Straucharten charak- terisiert.