Alltagstauglichkeit im Kontext der Migration von Anwendungssystemen Oliver Bohl, Andreas Höfer, Shakib Manouchehri, Udo Winand Universität Kassel Fachgebiet Wirtschaftsinformatik Nora-Platiel-Strasse 4 34127 Kassel {bohl, hoefer, manouchehri, winand}@inf.wirtschaft.uni-kassel.de Abstract: Aktuelle Entwicklungen in den Bereichen der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und von IT-Systemen sowie -Architekturen führen zum Entstehen neuartiger oder zur Anreicherung bestehender Anwendungssysteme (AWS). Getrieben werden die (Fort-)Entwicklungen dabei oftmals aus einer technisch-orientierten Perspektive heraus, beispielsweise durch die Umstellung auf service-orientierte Architekturen oder durch die Nutzung ubiquitär verfügbarer Infrastrukturen. Häufig bedingen diese Neuerungen eine Umstellung bisheriger Schnittstellen zwischen dem IKT-gestützten System und seinem Nutzer. 1 Einleitung Neue oder fortentwickelte Nutzerschnittstellen und die mit ihnen verbundenen Möglichkeiten zur Etablierung innovativer, häufig technisch und funktional sehr komplexer AWS werden bei dem Übergang von alten in neue AWS zumeist mit dem Versprechen der verbesserten Anpassung an ihre (potenziellen) Nutzer, speziell in Bezug auf ihre Gewohnheiten, ihre Erwartungen sowie ihren Kontext [Ta03], entwickelt. Dabei wird in der Regel eine verstärkte Korrelation mit dem alltäglichen privaten und beruflichen Habitus und damit eine Reduzierung der nutzerseitig wahrgenommenen Nutzungskomplexität angestrebt. Die AWS sollen den zunehmend komplexen Erfordernissen entsprechen und gleichfalls konform zu den bisherigen Verhaltensweisen des beruflichen aber auch des privaten Alltags ausgestaltet werden. Das zentrale Ziel einer solchen Orientierung an etablierten Prozessen des Arbeits- und Privatlebens ist die Vereinfachung der Nutzbarkeit der Anwendung aus Nutzerperspektive. In diesem Kontext ist jedoch ein Spagat zwischen dem idealisierten Abdecken notwendiger Aktivitäten und Prozesse, ggf. auch von solchen, welche bislang nicht durch AWS unterstützt werden (quasi eine revolutionäre Gestaltung von AWS) und den unter Umständen durchaus als suboptimal angesehenen, aber bereits etablierten IKT- unterstützten Aktivitäten (eine eher evolutionäre Gestaltung von AWS) zu vollziehen. 3