Nephrologe 2013 · 8:144–149
DOI 10.1007/s11560-012-0689-9
Online publiziert: 23. Januar 2013
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013
A. Kronbichler · M. Rudnicki · G. Mayer
Universitätsklinik für Innere Medizin IV (Nephrologie und Hypertensiologie),
Medizinische Universität Innsbruck
Rituximab bei primärer
FSGS und MCD im
Erwachsenenalter
Rituximab (RTX), ein chimärer mono-
klonaler Antikörper, ist aktuell zur Thera-
pie der rheumatoiden Arthritis, des Non-
Hodgkin-Lymphoms und rezent auch der
ANCA-assoziierten Vaskulitis (AAV) zu-
gelassen. Die „Off-label“-Anwendung hat
in den letzten Jahren in der Nephrologie
deutlich zugenommen. So hat sich RTX
unter anderem als Alternative bei der
membranösen Glomerulonephritis eta-
bliert, und auch bei Patienten mit Mini-
mal-Change-Disease (MCD) und primä-
rer fokaler segmentaler Glomeruloskle-
rose (pFSGS) gibt es einzelne Fallberichte
und Fallserien, die eine Wirksamkeit der
Substanz zeigen.
Die Therapie der MCD und der pFSGS
bleibt eine Herausforderung. So ist ein
Viertel der Patienten mit MCD primär
steroidresistent, während von den initial
steroidsensitiven Patienten nahezu 75%
zumindest einen Relaps und rund 30%
die Kriterien eines häufig-relapsieren-
den Krankheitsverlaufs aufweisen [26].
Bei Patienten mit pFSGS sind unabhän-
gig von der histologischen Subklasse et-
wa 65% zumindest primär steroidsensibel.
Patienten ohne Ansprechen auf Steroi-
de haben eine schlechte renale Prognose
mit einer über 50%igen Wahrscheinlich-
keit der Progression zur Dialysepflichtig-
keit [3]. Bei steroidabhängigen Patienten
bzw. bei häufig-relapsierendem Krank-
heitsverlauf, der bei bis zu 30% der Pa-
tienten mit MCD [26] sowie pFSGS be-
obachtet wird [2], führt die Langzeitste-
roidtherapie zu Komorbiditäten wie redu-
zierte Knochendichte, gestörte Glukose-
toleranz, Hypercholesterinämie oder arte-
rielle Hypertonie [18]. Bei Steroidresistenz
bzw. bei der Notwendigkeit, die kumula-
tive Steroiddosis zu minimieren, werden
häufig „Second-line“-Immunsuppressi-
va eingesetzt. Substanzen wie z. B. Cyclo-
sporin A (CSA), Cyclophosphamid (CPA)
oder Mycophenolat-Mofetil (MMF) wei-
sen aber eine hohe therapieassoziierte To-
xizität auf, und selbst mit ihnen gelingt es
nicht, zufriedenstellende Remissionsraten
zu erreichen [12].
RTX, ein chimärer monoklonaler
Antikörper, welcher gegen CD20-tragen-
de Zellen gerichtet ist, ist für die Thera-
pie der rheumatoiden Arthritis (RA), des
Non-Hodgkin-Lymphoms bzw. der AAV
zugelassen. Zusätzlich zeigen auch Pa-
tienten mit membranöser Glomerulo-
nephritis [22] oder refraktärer Lupusne-
phritis [27] ansprechende Remissionsra-
ten. Die Depletion von B-Zellen durch die
Substanz erfolgt durch mehrere Prozesse,
unter anderem eine antikörperabhängige
zellvermittelte Zytotoxizität, eine Phago-
zytose, aber auch eine zytokinvermittelte
Zytotoxizität [5]. Bei Kindern mit stero-
id- und calcineurininhibitorabhängigem
nephrotischen Syndrom konnte gezeigt
werden, dass die Proteinurie nach 3 Mo-
naten im Interventionsarm unter RTX
um 70% niedriger war, die Relapsrate si-
gnifikant reduziert werden konnte und
die Wahrscheinlichkeit der Beendigung
von Immunsuppressiva signifikant höher
war [21]. Im Gegensatz dazu zeigten Kin-
der mit steroidresistentem nephrotischen
Syndrom, bei denen auch Calcineurin-
inhibitoren keinen Effekt hatten, keinen
Nutzen einer additionalen Therapie mit
RTX. Zwei der wichtigsten genetischen
Ursachen eines steroidresistenten neph-
rotischen Syndroms im Kindesalter, na-
mentlich NPHS2 und WT1, wurden in
dieser Population ausgeschlossen [17].
Rituximab bei primärer FSGS
und MCD im Erwachsenenalter
Effektivität in Studien
In . Tab. 1 und 2 sind die Charakteristika
der Patienten zusammengefasst, welche in
den unten beschriebenen Studien einge-
schlossen wurden. Bei Patienten mit ste-
roidresistenter pFSGS (alle Patienten hat-
ten auch eine Vortherapie mit CSA und
7 von 8 mit MMF) und einer medianen
Proteinurie von 14±4,4 g/Tag zu Thera-
piebeginn konnte lediglich bei 2 der 8 in-
kludierten Patienten eine Wirksamkeit
von RTX (4-mal 375 mg/m
2
) nachgewie-
sen werden. Beide hatten nach einer Ver-
laufszeit von 12 Monaten eine partielle Re-
mission. Ein weiterer Patient zeigte eine
transiente Abnahme der Proteinurie, je-
doch war nach 12 Monaten die Protein-
urie vergleichbar zum Ausgangswert,
eine abermalige RTX-Gabe führte zu
einem erneuten transienten Ansprechen.
Drei der Patienten hatten nach 12 Mona-
ten eine progrediente Nierenfunktions-
einschränkung [8]. Eine prospektive Stu-
die, welche immunsuppressivaabhängige
Patienten mit MCD untersuchte, konnte
hingegen eine komplette Remission bei 5
von 6 Patienten nach 12 Monaten zeigen; 1
Patient erreichte eine partielle Remission.
RTX wurde in dieser Population einmalig
Redaktion
G. Mayer, Innsbruck
H. Haller, Hannover
144
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