Forever Young? Die besondere Dynamik der Praxisformation des Rock und Pop Anna Daniel, Frank Hillebrandt, Franka Schäfer Beitrag zur Ad-hoc-Gruppe »Jenseits der Routine – Praxeologische Ansätze zur Analyse sozia- ler Dynamiken« – organisiert von Hannes Krämer und Hilmar Schäfer Die Praxisformation des Rock und Pop hat eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die Gegenwartsgesellschaft und deren Alltagskulturen. Sie ist sowohl alltägliche Hintergrundmusik beim Autofahren, in der Werbung, bei Wahlkampfveranstaltungen etc., als auch Ausdruck eines Lebensgefühls, Verstärker von und Ventil für Emotionen zugleich. Dabei weist die Praxisforma- tion des Rock und Pop eine ganz besondere Dynamik auf, setzt sie sich zwar recht beständig aus verschiedenen Praxisformen, wie etwa dem Singen und dem Spielen von Instrumenten, der Plattenaufnahme, dem Live-Konzert, der medialen Verbreitung der Musik, dem Fan- und Star- tum etc. zusammen, allerdings muss sie immer Neues hervorbringen, um praxisrelevant zu bleiben: Neben neuen Hits, neuen Stilrichtungen, neuen Stars, neuen Live-Ereignissen, neuen Remixes und Retrotrends sind in diesem Zusammenhang insbesondere auch die instrumenta- len, technischen und medialen Neuerungen von entscheidender Bedeutung. In diesem Sinne eignet sich der Forschungsgegenstand Rock und Pop in besonderer Weise, um das Spannungs- verhältnis zwischen relativer Stabilität sozialer Strukturen und ständiger Dynamik theoretisch auszuloten und methodologische Überlegungen hinsichtlich der empirischen Analyse der Viel- schichtigkeit der materialen Praxis anzustellen, die die besondere Dynamik der Rock- und Pop- formation evoziert. Zudem ist der Rock- und Popmusik in der soziologischen Forschung in den letzten Jahren nur wenig Aufmerksamkeit zuteil geworden. Trotz des bedeutenden Stellenwerts, den sie im alltäg- lichen Leben einnimmt, ist weitgehend unklar, welche materiellen Voraussetzungen und situati- ven Ereignisse diese Entwicklung und damit die Selbstverständlichkeit, die den Praktiken des Rock und Pop inzwischen inhärent ist, ermöglicht haben. Zwar herrscht in der Forschung Einig- keit darüber, dass es sich bei der Formation des Rock und Pop um eine vergleichsmäßig junge Praxisformation handelt, welche sich erst in der Zeit der nachhaltigen Transformation der Ge-