Paul Franks Inner Anti-Semitism or Kabbalistic Legacy? German Idealism’s Relationship to Judaism Beinhaltet der Deutsche Idealismus einen „heimlichen Antisemitismus“, wie Michael Mack behauptet, oder ist er einem kabbalistischen Erbe verpflichtet, wie Jürgen Habermas meint? Beide Behauptungen enthalten ein Körnchen Wahrheit. Vom christlichen Anti-Judaismus übernehmen Kant, Fichte, Schelling und Hegel den Gebrauch des Begriffs „Judaismus“, um zunächst einen maximalen Span- nungsmoment der Dialektik zu bezeichnen – dem geschichtlichen Gipfelpunkt verlockend nahe, aber zugleich frustrierend fern. Erst in zweiter Linie bezeichnet „Judaismus“ eine lebendige post-biblische Religion. Solche Urteile über den Judaismus können einzig und allein auf das Alte Testament gegründet und unmit- telbar auf zeitgenössische Juden angewendet werden. Somit interpretieren auch Kant, Fichte, Schelling und Hegel den Judaismus mit Hilfe ihres spezifischen Kon- zepts von Dialektik. Während Schelling und Hegel einen Augustinischen, relativ milden Anti-Judaismus vertreten, ermöglicht Kant eine neo-markionistische Eli- minierung des Judaismus – eine Möglichkeit, die Fichte, den Antisemitismus vor- wegnehmend, dann realisiert. Eine aufmerksame Betrachtung des rabbinischen Judaismus lässt die Kritik der Deutschen Idealisten indessen als fragwürdig erscheinen. Ihre Ansicht des Absoluten als einer selbstverneinenden Negativität ist der lurianischen Kabbala verpflichtet. Allerdings werden kabbalistische Ideen in der christlichen Kabbalistik üblicherweise entweder ins biblische Altertum zurück- versetzt oder als christlich vereinnahmt. Philosophen, die sich mit der Tradition des Deutschen Idealismus befassen, sollten auf die Notwendigkeit einer Revision sol- cher Urteile reflektieren, um die Fallstricke des Anti-Judaismus zu vermeiden und die fruchtbare Beziehung der Philosophie zum Judaismus anerkennen. Most contemporary thinkers with an interest in German Idealism are oblivious to the connection between German Idealism and anti-Semitism. To be sure, it has already generated some discussion, mainly from Jewish philosophers but also from some Germans. Indeed, it is a topic that Jewish philosophers can hardly afford to ignore. On the one hand, all Jewish philosophy since the 1790s – from Salomon Maimon to Hermann Cohen, from Franz Rosenzweig to Emmanuel Levinas – has been intimately intertwined with German Idealism (Franks, 2007). Kant and Hegel are to modern Jewish philosophy what Plato and Aristotle were to medieval Jewish philosophy, and Habermas has fittingly titled an essay, “The German Idealism of the Jewish Philosophers” (Habermas, 1985). On the other hand, the title of a recent book by Michael Mack speaks of “the inner anti-Semitism” of German Idealism (Mack, 2003). By “inner anti- Semitism,” Mack evidently means to suggest that the derogatory remarks of the philosophers are not merely extrinsic expressions of prejudice, to be explained