Sonderdruck für private Zwecke des Autors
Der Childhood Trauma Screener (CTS) –
Entwicklung und Validierung von Schwellenwerten
zur Klassifikation
The Childhood Trauma Screener (CTS) – Development and Validation
of Cut-Off-Scores for Classificatory Diagnostics
Autoren Heide Glaesmer
1
, Andrea Schulz
2
, Winfried Häuser
3
, Harald J. Freyberger
2
, Elmar Brähler
1
, Hans-Jörgen Grabe
2
Institute
1
Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universität Leipzig
2
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin Greifswald, Helios-Klinikum Stralsund
3
Klinik für Innere Medizin I, Klinikum Saarbrücken GmbH
Schlüsselwörter
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Childhood Trauma Screener
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Childhood Adversities
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Schwellenwerte
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kategoriale Diagnostik
Keywords
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Childhood Trauma Screener
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childhood adversities
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cut-off-scores
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categorical diagnostics
Bibliografie
DOI http://dx.doi.org/
10.1055/s-0033-1343116
Online-Publikation: 5.4.2013
Psychiat Prax 2013; 40:
220–226
© Georg Thieme Verlag KG
Stuttgart · New York
ISSN 0303-4259
Korrespondenzadresse
PD Dr. Heide Glaesmer
Universität Leipzig, Abteilung
für Medizinische Psychologie
und Medizinische Soziologie
Philipp-Rosenthal-Straße 55
04103 Leipzig
Heide.Glaesmer@medizin.uni-
leipzig.de
Originalarbeit 220
Einführung
!
Lebensgeschichtlich frühe traumatische Erfah-
rungen sind für die Entwicklung psychischer,
psychosomatischer und körperlicher Erkrankun-
gen in der Kindheit, aber auch später im Erwach-
senenalter von großer Bedeutung [1, 2]. Ins-
besondere Vernachlässigung und Missbrauch in
Kindheit und Jugend spielen eine zentrale Rolle
[3 – 5]. Zur retrospektiven reliablen und validen
Erfassung von Vernachlässigung und Missbrauch
in Kindheit und Jugend stehen verschiedene In-
strumente zur Verfügung. Der international am
häufigsten eingesetzte Fragebogen ist die Kurz-
form des Childhood Trauma Questionnaire (CTQ)
[6]. Der CTQ besteht aus 28 Items, von denen je-
weils 5 die 5 Subskalen körperlicher, sexueller
und emotionaler Missbrauch sowie körperliche
und emotionale Vernachlässigung messen. Die
Antworten werden auf einer 5-stufigen Likert-
Skala erfasst, die von „überhaupt nicht (1)“ bis
„sehr häufig (5)“ reicht. Zusätzlich gibt es eine Ba-
gatellisierungsskala mit 3 Items zur Identifikation
von Antworttendenzen zur Verleugnung und Ba-
gatellisierung.
Die deutsche Version des CTQ findet Anwendung
im klinischen und nichtklinischen Kontext [7, 8].
Sie stellt insgesamt ein reliables und valides
Selbstbeurteilungsinstrument zur retrospektiven
Erfassung früher traumatischer Erfahrungen dar,
auch wenn die Subskala „körperliche Vernachläs-
sigung“ mit Vorsicht einzusetzen ist, da deren in-
terne Konsistenz unbefriedigend zu sein scheint
[9].
Zur ökonomischen Erfassung früher traumati-
scher Erfahrungen wurde aus dem CTQ ein Kurz-
screener (Childhood Trauma Screener) mit insge-
samt 5 Items entwickelt [10]. Auf Basis einer
großen Bevölkerungsstichprobe wurde dazu aus
jeder der 5 Subskalen des CTQ, dasjenige Item
ausgewählt, welches nach Aspekten von Trenn-
schärfe, Varianzaufklärung und Praktikabilität
die Dimension am besten abbildete [10]. Die Kor-
relationen der Items mit den zugehörigen Skalen
bewegten sich zwischen r = 0,55 und r = 0,87. Die
interne Konsistenz des Childhood Trauma Scree-
ners (CTS) (α = 0,757) ist gut. Der CTS stellt damit
ein reliables und sehr ökonomisches Instrument
zur Erfassung traumatischer Erfahrungen in Kind-
heit und Jugend dar [10]. Kurzscreener sind zur
ökonomischen Erfassung von Außenkriterien in
Studien, aber auch in 2-stufigen diagnostischen
Prozessen zu empfehlen [11]. Anhand einer zwei-
ten großen Bevölkerungsstichprobe konnte die
Itemauswahl des CTS [10] untermauert werden,
bisher stand jedoch die Ableitung von Schwellen-
werten zur Identifikation von Kindesmisshand-
lung betroffener Personen noch aus [11].
Die vorliegende Untersuchung zielt auf Basis
zweier großer Bevölkerungsstudien auf die Iden-
tifikation solcher Cut-off-Werte für den CTS ab.
Dazu werden zunächst anhand der üblichen
Glaesmer H et al. Der Childhood Trauma … Psychiat Prax 2013; 40: 220–226
Zusammenfassung
!
Anliegen: Es sollen Schwellenwerte für die Klassi-
fikation von Vernachlässigung und Missbrauch
mithilfe des CTS entwickelt und validiert werden.
Methodik: Auf Basis zweier Bevölkerungsstudien
werden Schwellenwerte bestimmt und anhand
des Außenkriteriums Depression validiert.
Ergebnisse: Die bestimmten Schwellenwerte dif-
ferenzieren gut hinsichtlich der Häufigkeit von
Depressionen, und zeigen mit Ausnahme der Di-
mension „körperliche Vernachlässigung“ gute bis
sehr gute Sensitivitäten und Spezifitäten zum
Childhood Trauma Questionnaire.
Schlussfolgerung: Die Schwellenwerte unterstüt-
zen die Nutzung des CTS zur kategorialen Diag-
nostik.