Aufklärung und Kritik 3/2015, Schwerpunkt Transhumanismus 138 Dr. Dr. Dr. Roland Benedikter / Katja Siepmann Der neue Politiktrend: Transhumanismus Die „Transhumanist Party Global“ (TPG): Eine technophile Bewegung aus den USA beginnt sich weltweit politisch zu organisieren Im Rahmen der rasch voranschreitenden Verschmelzung von Technik und mensch- lichem Körper hat der Kampf um das Menschenbild voll begonnen. Im Span- nungsfeld zwischen Humanismus und Transhumanismus erreicht er nun erstmals die konkrete Gestaltungssphäre internatio- naler Politik. Neue „Transhumanistische Parteien“, die ausgehend von den USA mittels körper-inversiver Techniken den bisherigen Menschen zu einem cyborgi- sierten „neuen Menschen“ oder „Über- menschen“ umbauen wollen, streben nach einer ersten Weltpartei jenseits gewohnter Muster von links und rechts – mit derzeit noch unabsehbaren Folgen. Wird sich der gescheiterte Traum der ideologisch-linken (kommunistischen) und grünen „Interna- tionalen“ des 19. und 20. Jahrhunderts im Hinblick auf eine transnational geeinte, er- ste weltpolitische Partei der Menschheit in den kommenden Jahren ironischerweise als radikal-pragmatische Technikpartei der „Transhumanisten“ realisieren? Das wäre im Zeitalter von Brain-Computer-Interfa- ces (BCI’s), Internet und global ausgrei- fenden „Neuen Sozialen Medien“ zwar kaum überraschend – könnte aber Aus- wirkungen auf praktisch alle Parameter bisheriger nationaler und internationaler Politiken haben, kommentieren Roland Benedikter und Katja Siepmann. Eine globale politische Bewegung zur biotechnologischen „Aufrüstung“ des Menschen In vielen Ländern Europas gründen sich derzeit Parteien, die jenseits traditioneller Parteilogiken von links und rechts das Ver- hältnis von Mensch und Technologie in den politischen Fokus rücken. Der Name „Transhumanismus“ ist dabei Programm: Vertreter der neuen globalen „Transhuma- nist Parties“ wollen über den bisherigen Menschen hinausgehen, seine physischen, kognitiven und vielleicht auch „geistigen“ Grenzen überschreiten und das Altern – beziehungsweise im Maximalanspruch so- gar den Tod – abschaffen. Die in Europa zuerst gegründete und bis- her am weitesten institutionalisierte „Trans- humanistische Partei“ ist die britische UKTP (UK Transhumanist Party), die seit Januar 2015 auf Hochtouren an ihrem transhuma- nistischen Manifest arbeitet und sich als kon- kretes Wahlprojekt zuletzt auf die Parlaments- wahlen am 7. Mai 2015 vorbereitete. 1 Auch in Deutschland werden aktuell Maßnah- men zur Registrierung der „Transhumanis- tischen Partei Deutschland“ getroffen. Die Organisation will innerhalb 2015 als Par- tei konkret und offiziell auftreten. 2 Die politische Agenda der Transhumanis- tischen Parteien sieht vor, eine Akzeptanz für radikale Technologien zur Optimierung des Menschen in der Bevölkerung zu schaffen und Technologie als Motor für positiven gesellschaftlichen Wandel zu propagieren. Technologie ist für diese Parteien der Hebel für praktisch alle Pro-