Kulturrelevante Pädagogik in der Bildungskooperation – Einzelfallanalyse an einer brasilianischen Universität Susanne Ress Einleitung Am 25. Mai 2011 wurde in Brasilien die Universität der Internationalen Integration Afro-Brasilianischer Lusophonie, auch UNILAB genannt, gegründet. Der Begriff „Lusophonie“ im Namen der Universität weist darauf hin, dass diese u. a. aus der Gemeinschaft Portugiesisch-Sprachiger Länder (Communidade dos Países de Lín- gua Portuguesa, CPLP) hervorging 1 . UNILABs erster Campus, der Campus der Freiheit, öffnete seine Türen in Redenção 2 , einer Kleinstadt mit 20.000 Einwohnern im Landesinneren von Ceará im Nordosten Brasiliens. Die Stadt liegt etwa eine Stunde Busfahrt von der Millionenstadt Fortaleza und der Atlantischen Küste ent- fernt. Redenção ist eine lebendige Stadt mit drei großen Supermärkten, einem aus- geprägtem Handel, einem öffentlichem Transportsystem, Wochenmärkten, einer Pension und einigen wenigen Restaurants. Die Einwohner der Stadt leben mehrheit- lich vom Handel und Landwirtschaft oder arbeiten in der öffentlichen Verwaltung. Viele werden durch Sozialhilfe unterstützt oder arbeiten seit ihrer Eröffnung für die Universität. UNILAB wird von brasilianischen und nicht-brasilianischen Studierenden be- sucht. Insgesamt sind 2056 Studierende in Voll- (tagsüber) und Teilzeitkursen (abends) eingeschrieben. 1446 der Studierenden stammen aus Brasilien (70%), 360 aus Guinea Bissau (18%), 73 aus Cape Verde (4%), 70 aus Osttimor (3%), 46 aus Angola (2%), 44 aus São Tomé e Principe (2%), und 17 aus Mozambique (1%). Sie studieren in Bachelor-Studiengängen der Fachrichtungen: Agronomie, Öffentliche Verwaltung, Ingenieurwesen, Lehramt und Krankenpflege sowie Geistes- und Sozi- alwissenschaften. Studierende sind nach Disziplin (z. B. Agronomie) und Jahrgang 1 Indirekt erhält die Universität dadurch eine Referenz auf die Philosophie des Lusotropikalismus, welche insbesondere nach der Veröffentlichung von Casa-Grande e Senzala durch Gilberto Freyre 1933 an Bedeutung gewann. Unter Salazar übernahm Portugal Lusotropikalismus als Kolonialisierungsideologie. 2 Seit 2012 wurden zwei weitere Campusse eröffnet und ein weiterer ist im Bau.