Der Leipziger Stimmungsbogen
Testkonstruktion, Gütekriterien sowie Einflüsse
von Alter, Geschlecht und sozioökonomischem Status
auf die Befindlichkeit
The Leipzig Mood Questionnaire: Test Construction, Psychometric Quality and Influence of Age,
Gender and Socioeconomic Status on Mood
Andreas Hinz, Aike Hessel und Elmar Brähler
Universität Leipzig
Zusammenfassung: Es wurde ein Fragebogen entwickelt, der die momentane Stimmung auf fünf Dimen-
sionen (Freude, Aktivität, Gereiztheit, Erschöpfung, Apathie) mit je sechs Items erfaßt. Die Fragebogen-
konstruktion basierte auf einer bevölkerungsrepräsentativen Studie an 2047 Personen. Sowohl für die fünf
Skalen als auch für die daraus gebildete Gesamtskala werden Gütekriterien und Normwerte angegeben.
Während sich kaum Geschlechtsunterschiede hinsichtlich der Stimmungsskalen zeigten, ergaben sich deut-
liche Abhängigkeiten der Stimmung vom Alter mit Zunahme von Erschöpfung und Apathie sowie Abnah-
me von Freude und Aktivität bei älteren Personen. Personen mit höherem sozioökonomischen Status waren
im Mittel positiver gestimmt als Personen mit niedrigerem Status. Der Ost-West-Vergleich erbrachte dage-
gen kaum Unterschiede, lediglich in der Subskala Aktivität erreichten die Personen aus den neuen Bundes-
ländern etwas höhere Mittelwerte.
Schlüsselwörter: Befinden, Stimmung, Altersabhängigkeit, Geschlechtsabhängigkeit
Summary: A questionnaire was developed which comprises five mood dimensions (happiness, activity,
irritability, exhaustion, apathy). Each dimension consists of six items. The subject sample (n = 2047) can
be assumed to be representative for the German adult population. Psychometric properties and norm values
are presented for the five subscales and for the total scale. Gender differences in the mood dimensions were
negligible, but age differences were found (higher scores in exhaustion and apathy and lower scores in
happiness and activity with increasing age). Persons with higher values in socioeconomic status reported to
have a more positive state of feeling than persons with lower status. There were only small differences
between people from East and West Germany. East German persons showed slightly higher values in the
activity subscale.
Keywords: Mood, well-being, age differences, gender differences, questionnaire
Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 23 (1), 2002, 55–65
ZDDP 23 (1) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern