C.E. Heyde 1 · Z. Fekete 2 · Y Robinson 1, 3 · S.K. Tschöke 1 · R. Kayser 1 1 Klinik für Unfall-, Orthopädische- und Wiederherstellungschirurgie, Charité – Campus Benjamin Franklin , Berlin 2 Wirbelsäulenchirurgisches Zentrum, Roland-Klinik am Werdersee, Bremen 3 Spine Department, Akademiska Sjukhuset, Uppsala Behandlungsmöglich- keiten bei thorakalen und lumbalen osteoporotischen Problemfrakturen Leitthema Osteoporotische Wirbelfrakturen Die Osteoporose ist durch eine Abnah- me der Knochenmasse, durch eine Ver- änderung der Mikroarchitektur des Kno- chens und durch einen daraus resultie- renden Festigkeitsverlust des Knochens mit erhöhter Frakturneigung definiert [98]. Bedingt durch die gestiegene Le- benserwartung, stellt die Zunahme die- ser Erkrankung zusammen mit den re- sultierenden osteoporotischen Frakturen eine der großen medizinischen und sozi- oökonomischen Herausforderungen un- serer Zeit dar [30, 59]. Die Zahl osteopo- rotischer Frakturen steigt dramatisch an. Dies betrifft auch die Wirbelkörperfrak- turen als die häufigsten osteoporotisch be- dingten Frakturen [51, 65, 72]. Dabei sind die mittlere Brustwirbelsäule und der tho- rakolumbale Übergang am häufigsten be- troffen [6, 40, 85]. Der Zusammenhang zwischen zunehmendem Alter und Os- teoporose mit einer resultierenden hö- heren Anzahl osteoporotisch bedingter Wirbelkörperfrakturen konnte mehrfach nachgewiesen werden [19, 69, 85]. Epide- miologische Daten geben für Deutsch- land Zahlen von 2 Mio. Frauen und von 800.000 Männern sowie für die USA von mehr als 20 Mio. Menschen an, die von osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen und ihren Folgen betroffen sind [54, 77]. Sowohl individuell für den Betroffenen als auch für die Gesellschaft handelt es sich um ein Problem, das einen umfassenden diagnostischen und therapeutischen An- satz verlangt und damit einen gesund- heitspolitisch relevanten Faktor darstellt. Eine Reihe von Arbeitsgruppen hat sich mit den Auswirkungen osteoporotischer Frakturen hinsichtlich der resultierenden Morbidität und Mortalität beschäftigt [12, 18, 33, 77, 80]. So konnte gezeigt werden, dass osteoporotische Wirbelfrakturen und deren Komorbiditäten zu einer Ein- schränkung der sozialen Kontakte und zu einer Verschlechterung der sozialen Stellung der betroffenen Patienten füh- ren [33]. Es kommt zu einem erhöhten Arzneimittelbedarf, zu häufigeren Arzt- kontakten und Krankenhausaufenthal- ten, zu inaktivitätsbedingten Komorbi- ditäten und zu einem Absinken des all- gemeinen Aktivitätsniveaus [78, 80]. Als Folge werden schwerwiegende psychisch bedingte Erkrankungen beschrieben, ge- kennzeichnet unter anderem durch De- pressionen, Angst- und Beklemmungs- gefühle [1]. Weiter wurde eine erhöhte 1- und 5-Jahres-Mortalität nach osteoporo- tischen Wirbelfrakturen sowohl bei Frau- en als auch bei Männern nachgewiesen [12, 18]. Die Osteoporose gilt heute als eine der häufigsten Ursachen adulter Deformi- täten mit allen daraus resultierenden Pro- blemen [51]. Bei den osteoporotischen Frakturen der Wirbelsäule handelt es sich in der über- wiegenden Mehrzahl der Fälle um Sinte- rungsfrakturen, die nach Bagatelltraumen oder als Spontanfrakturen auftreten [54]. Hierbei liegen in der Regel Deckplatten- impressionen vor, die nicht selten auch in- itial als serielle Frakturen auftreten kön- nen [6, 29]. Da diese Ereignisse von den Betroffenen oft nicht wahr- oder nicht ernst genommen werden, kommt es in der Mehrzahl der Fälle zu einer verspäte- ten Diagnosestellung [72]. Es wird weiter- hin angenommen, dass ein großer Teil sol- cher Frakturen überhaupt nicht diagnosti- ziert wird. Einige Autoren geben an, dass nur etwa 30% der vertebralen osteoporo- tischen Sinterungsfrakturen überhaupt di- agnostiziert werden [80, 85]. Dies ist von Relevanz, da das Risiko nachfolgender Frakturen im Folgejahr nach der Erst- fraktur am höchsten ist [63]. Das Risiko, nachfolgende Frakturen zu erleiden, steigt beim Vorliegen einer vertebralen Fraktur allein im nachfolgenden Jahr um den Fak- tor 5–7,4 und für jede zusätzlich zum Un- tersuchungszeitpunkt vorliegende Fraktur um das 2-bis 4-Fache [63, 69]. Diese Zah- len zeigen, dass die verspätete Diagnose- stellung und damit der verzögerte Beginn therapeutischer Maßnahmen das Risiko zwischenzeitlicher Folgefrakturen und re- levanter Fehlstellungen beinhaltet. Die re- sultierenden, überwiegend kyphotischen Fehlstellungen können nicht nur zu An- schlussfrakturen, sondern auch zu sekun- dären, zum Teil frakturfernen schmer- zauslösenden und schmerzunterhalten- Orthopäde 2008 DOI 10.1007/s00132-008-1227-3 © Springer Medizin Verlag 2008 1 Der Orthopäde 2008 |