29 Olaus Magnus im Land der Saami Elena Balzamo Olaus Magnus im Land der Saami: Eine Reise und ihre Folgen Einige Orientierungspunkte 1 Ein Schwede aus Linköping begibt sich im Frühjahr 1518 auf eine lange Reise, die ihn bis nach Norbotten führen wird, für die damalige Zeit ein ziemlich ungewöhnliches Ziel. Mehr als ein Jahr wird er unterwegs sein, und die Nachwirkungen seiner Reise werden über Jahrhunderte spürbar bleiben, was damals natürlich niemand voraussehen konnte, auch der Reisende selbst nicht. Wer war dieser Schwede, und welches Ziel verfolgte er? Olaus Magnus, geboren 1490, scheint, wie sein zwei Jahre älterer Bru- der Johannes, von Anfang an für eine kirchliche Laufbahn bestimmt gewe- sen zu sein. Und wie viele andere, die diesen Weg einschlugen, ging er zum Studium nach Deutschland, zunächst nach Rostock, dann wahrscheinlich nach Köln und später nach Greifswald (Richter 1967, 11–12). 2 Im Jahre 1517 kehrte er nach Schweden zurück, wo er bald Gelegenheit bekam, sein Bücherwissen durch praktische Erfahrungen in der realen Welt zu ergänzen – nicht auf einer ›Grand Tour‹ durch Europa, wie es später üblich wurde, sondern bei einer Reise durch Skandinavien, die wohl nicht weniger lehr- reich und jedenfalls alles andere als eine Vergnügungstour war. Der junge Geistliche reist in päpstlichem Auftrag. Im Mai 1518 ver- lässt er Uppsala, durchquert Hälsingland, folgt dem Ångermanälven in nördlicher Richtung, wendet sich dann wieder nach Südwesten in das bergige Jämtland und wechselt hinüber nach Norwegen, reist dort in den Provinzen Trøndelag und Nordland umher, kehrt zurück auf schwedisches 1 Dieser Text ist eine leicht veränderte Fassung meines Aufsatzes »L’enfer réhabilité: la Laponie et ses habitants dans l’œuvre d’Olaus Magnus« (im Druck). Statt der veralteten Ausdrücke »Lappe, Lappland, lappländisch« werden die Bezeichnungen »Saami, Sápmi, saamisch« verwendet. 2 Die beiden wichtigsten Arbeiten zur Biographie von Olaus Magnus sind Martin 1908 und Grape 1970.