546 Übersicht Holle D et al. Botulinumtoxin bei Kopfschmerzen. Akt Neurol 2012; 39: 546–552 Botulinumtoxin bei Kopfschmerzen Botolinum Toxin for Headache unterschieden (A, B, C1, D, E, F, H) [2], wobei der- zeit nur Neurotoxin A und B in der Behandlung eingesetzt werden. Der molekulare Wirkmecha- nismus der Wirkung an der motorischen End- platte ist bekannt und auch die klinische Wir- kung auf die Muskulatur wird seit den 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts eingesetzt. Die Wirkung auf die motorische Einheit dauert im Mittel etwa 3 Monate an. Es gibt Hinweise, dass Einleitung Justinus Kerner [1] diskutierte schon Anfang des 19ten Jahrhunderts den möglichen Einsatz von Botulinumtoxin bei Erkrankungen mit muskulä- rer Überaktivität. Botulinumtoxin ist ein Neuro- toxin, das von dem Gram-positiven anaerobem Bakterium Clostridium bototulinum produziert wird. Dabei werden 7 unterschiedliche Toxine Autoren D. Holle 1 , K. Rabe 1 , M. Obermann 1 , A. Straube 2 , M. Gerwig 1 , H.-C. Diener 1 Institute 1 Universitätsklinik für Neurologie der Universität Duisburg-Essen und Westdeutsches Kopfschmerzzentrum Essen 2 Klinik für Neurologie der Universität München und Oberbayerisches Kopfschmerzzentrum Zusammenfassung Bei chronischen Kopfschmerzerkrankungen ist die Wirksamkeit der zur Verfügung stehenden prophylaktischen Medikation oftmals unzurei- chend. Neue klinische Daten zeigen, dass Botuli- numtoxin nicht nur bei muskulärer Überaktivität eingesetzt werden kann (z. B. bei Dystonie oder Spastik) sondern auch antinozizeptive Eekte besitzt. Für Onabotulinumtoxin A (Botox ® ) und eingeschränkt auch Abobotulinumtoxin A (Dys- port ® ) liegen teilweise vielversprechende Ergeb- nisse für die Behandlung von Kopfschmerzer- krankungen vor. Bei Patienten mit chronischen Spannungskopfschmerzen sowie Patienten mit episodischer Migräne konnten wiederholt keine signikanten Behandlungseekte nachgewiesen werden. Bei Patienten mit chronischer Migräne mit und ohne begleitenden Medikamentenüber- gebrauch zeigte sich in verschiedenen Studien eine signikante Abnahme der monatlichen Kopfschmerz- und Migränetage nach Injektion von Botulinumtoxin. Zudem zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität. Die Therapie mit Botulinumtoxin war generell gut verträglich. Erste Studien zeigen auch eine gute Wirksamkeit von Botulinumtoxin in der The- rapie der Trigeminusneuralgie. Bezüglich der Therapie trigeminoautonomer Kopfschmerzen liegen noch nicht genügend Daten vor, um diese abschließend beurteilen zu können. Abstract In many cases current prophylactic medication is not eective enough for treatment of chronic headache disorders. New data from controlled trials and case series suggest that botulinum toxin is eective not only for the treatment of muscular overactivity (e. g., dystonia or spas- ticity) but has also antinociceptive properties. Therefore, Onabotulinum toxin A (Botox ® ) and to a lesser extent Abobotulinum toxin A (Dys- port ® ) show promising results regarding heada- che treatment. In patients with chronic tension type headache as well as in episodic migraneurs botulinum toxin was not eective for prophy- lactic therapy. Patients with chronic migraine with and without medication overuse showed a signicant reduction of monthly headache and migraine days after injection of botulinum toxin. Additionally, a signicant improvement of qua- lity of life was observed. Injections of botulinum toxin were well tolerated. First studies report a prophylactic ecacy of botulinum toxin in the treatment of trigeminal neuralgia. With respect to trigeminoautonomic cephalagias more study data are needed for nal evaluation. Bibliograe DOI http://dx.doi.org/ 10.1055/s-0032-1331191 Akt Neurol 2012; 39: 546–552 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York ISSN 0302-4350 Korrespondenzadresse Dr. med. Dagny Holle Klinik für Neurologie Universitätsklinikum Essen Hufelandstraße 55 45127 Essen Dagny.holle@uk-essen.de Schlüsselwörter Botulinumtoxin chronische Migräne Medikamenten- übergebrauch Spannungskopfschmerz Trigeminoautonome Kopfschmerzen Keywords botulinum toxin chronic migraine medication overuse tension type headache trigemino autonomic cephalagias