83 Prüfung und Normierung des EUROHIS-QOL und WHO-5 Sonderdruck aus: Diagnostica, 53, Heft 2, 83–96 © Hogrefe Verlag Göttingen 2007 Teststatistische Prüfung und Normie- rung der deutschen Versionen des EUROHIS-QOL Lebensqualität-Index und des WHO-5 Wohlbefindens-Index Elmar Brähler, Holger Mühlan, Cornelia Albani und Silke Schmidt DOI: 10.1026/0012-1924.53.2.83 Zusammenfassung. Der Beitrag berichtet über die teststatistische Prüfung und Normierung der deutschen Versionen des EUROHIS-QOL 8 Item Index (EUROHIS-QOL) zur Erfassung der generischen Lebensqualität und des Wohlbefindens-Index der WHO (WHO-5) zur Erfassung der Wohlbefindens aus Sicht der Befragten. Datengrundlage bildet eine repräsentative Stichprobe der bundesdeutschen Bevölkerung aus dem Jahr 2004. Die teststatistische Prüfung verweist auf gute psychometri- sche Eigenschaften des EUROHIS-QOL Index. Obgleich Modifikationsmöglichkeiten bestehen, wird die Selektion von Items ausgeschlossen, weil dies den komzeptuellen Vorgaben der Indexkonstruktion widersprechen würde. Die Ergebnisse der teststa- tistischen Prüfung des WHO-5 sind hinsichtlich der psychometrischen Eigenschaften als ausgezeichnet einzuschätzen. Erstmals werden geschlechts- und altersgruppenspezifische Normwerte für die deutschsprachigen Versionen der beiden Instru- mente vorgelegt. Schlüsselwörter: EUROHIS, WHO-5, Lebensqualität, Wohlbefinden, Index Testing and standardization of the German version of the EUROHIS-QOL and WHO-5 quality-of life-indices Abstract. This paper reports the psychometric validation and standardisation of the German versions of the EUROHIS- QOL 8 item index and the WHO-5 well-being index. The EUROHIS-QOL index is a self-assessment instrument of generic quality of life, the WHO-5 index is a self-assessment measure of general well-being. Analyses were based on data from a representative sample of the German population from 2004. Statistical examinations revealed good psychometric properties for the EUROHIS-QOL index. Although the performance of the instrument could be further improved such a modification would not be consistent with the conceptual requirements of this index. For the WHO-5 statistical analyses yielded excellent psychometric characteristics. Gender and age group-specific norm standard values for the German-language versions of both instruments are presented for the first time. Key words: EUROHIS, WHO-5, quality of life, well-being, index Die noch junge Geschichte der Entwicklung von Instru- menten zur Erfassung der subjektiven gesundheitsbezo- genen Lebensqualität ist nach Steinbüchel et al. (2005) in drei wesentlichen Etappen rekonstruierbar: Zunächst (a) eine Phase, in der sich insbesondere der Konstruktion generischer und krankheitsübergreifender Instrumente Ende der 80er Jahre und deren Validierung am Anfang der 90er Jahre angenommen wurde. In (b) einer daran anschlie- ßenden, zum Beginn der 90er Jahre einsetzenden Phase, wurde vornehmlich auf die Entwicklung und Validierung krankheitsspezifischer Instrumente abgestellt. Schließ- lich (c) richten sich seit Mitte der 90er Jahre viele For- schungsbemühungen darauf, verschiedene Messansätze in einem Modell zu integrieren. Ergänzend zu dieser Diag- nose lassen sich weitere allgemeine Trends ausmachen. Während die Ökonomie eines Messinstruments i. S. der Klassischen Testtheorie (vgl. Lienert & Raatz, 1994) als ein Nebengütekriterium in der Testkonstruktion relevant war bzw. ist und in der Entwicklung von Kurzformen auch als ein Pseudo-Hauptgütekriterium betrachtet werden kann (Smith et a., 2000), ist in den vergangenen Jahren deutlich ein Trend zur Ökonomisierung von diagnosti- schen Verfahren zu verzeichnen, wie er sich in der Kon- struktion von Kurzformen, Indizes, Single-Item-Indikato- ren oder computer-adaptiven Testverfahren dokumen- tiert. Indikativ dafür ist der Trend zur Entwicklung von Test-Kurzformen, wie er sich z.B. an Publikationen zu deutschsprachigen Kurzformen der SCL-90 in den vergan- genen Jahren illustrieren lässt (SCL-9: Klaghofer & Bräh- ler, 2000; SCL-14: Harfst et al., 2002; SCL-27: Hardt et al., 2004). Darüber hinaus wird auch der interkulturellen Äquivalenz der Instrumente eine immer größere Bedeu- tung beigemessen (Bullinger, 1994; Schmidt & Bullinger, 2003). Die Ökonomisierung und die interkulturelle Äqui- valenz von Instrumenten zur Diagnostik der Lebensquali- tät, des Gesundheitsstatus und des Wohlbefindens aus