www.forstpraxis.de 4/2011 AFZ-DerWald 7 Elsbeere Elsbeeren im Niederwald Die Elsbeere zählt zu den seltensten Baumarten Deutschlands [23]. Wohl auch deshalb gehört sie zu den am wenigsten erforschten, wenn man die Zahl der wis- senschaftlich belastbaren Arbeiten als Maßstab zugrunde legt. Von diesen Ar- beiten befassen sich viele mit forstgene- tischen Fragestellungen, die allermeisten Quellen basieren lediglich auf Erfahrungs- werten oder porträtieren die Elsbeere wieder und wieder (weshalb hier auf die Zusammenfassung allgemeiner Arteigen- schaften verzichtet wird). Unzweifelhaft erscheint die Bindung der Elsbeere an die Niederwaldwirtschaft [1, 10, 17, 19, 21]. Folglich wird auch ihr gegenwärtiges, oftmals inselartiges Vor- kommen häufig mit früherer Niederwald- wirtschaft in Verbindung gebracht [13, 23]. Umwandlung und Überführung von Niederwäldern werden u.a. als Hauptur- sache für den voranschreitenden Verlust der Baumart verantwortlich gemacht [5, 12, 24]. Als Grund für die Bindung der Els- beere an die Niederwaldwirtschaft wird der Niederwaldhieb gesehen, durch den Lichtverhältnisse und somit die Vorausset- zungen für die Verjüngung der Elsbeere verbessert werden [3]. Vielerorts wurde die Niederwaldwirt- schaft in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts aufgegeben. Die Wälder, die noch aus den Stöcken des Niederwalds her- vorgegangen sind, werden heute als durch- gewachsene oder ehemalige Niederwälder bezeichnet, nähern sich jedoch mit zuneh- mendem Alter dem Bild des Hochwalds an. Dabei vereinzeln sich die einst vielstäm- migen Stöcke durch Selbstdurchforstung, konkurrenzstärkere Baumarten wachsen über langsamwüchsigere hinweg und Lichtbaumarten werden von spätsukzessi- onalen Baumarten abgelöst. Ohne wald- baulichen Einfluss wirkt sich dieser Prozess Wachstum der Elsbeere in ehemaligen Niederwäldern Patrick Pyttel, Jörg Kunz, Jürgen Bauhus Ihre ästhetische Wirkung während Blüte und Herbstfärbung, ihre Wer- tigkeit als Holzart oder für den Naturschutz und nicht zuletzt ihre Selten- heit waren Anlass, die Elsbeere (Sorbus torminalis) zum Baum des Jahres 2011 zu wählen. Warum sie so selten geworden ist, wird des Öfteren da- mit begründet, dass die Nieder- und Mittelwaldwirtschaft praktisch zum Erliegen gekommen ist. Inwiefern ein direkter Zusammenhang zwischen diesen nunmehr historischen Betriebsarten und dem Erhalt der Elsbeere besteht, blieb bislang ungeklärt. P. Pyttel und J. Kunz promovieren am Waldbau-Institut der Fakultät für Forst- und Umweltwissenschaften der Albert-Ludwigs- Universität Freiburg und werden von Prof. Jürgen Bauhus betreut. Wichtige Bestandteile ihrer Arbeit sind Wachstum und Trockenheitstoleranz seltener Baumarten. Patrick Pyttel Patrick Pyttel patrick.pyttel@waldbau.uni-freiburg.de Abb. 1: Elsbeeren-Stammscheibe, vorbereitet für die Jahrringanalyse. Grüner Textmarker soll den Kontrast zwischen Früh- und Spätholz erhö- hen. Die Jahrringe sind oftmals sehr eng. Foto: Jörg Kunz Material und Methoden Für die Anlage der Versuchsflächen wurden nicht solche Bestände mit bestätigten Els- beer-Vorkommen gesucht, sondern vielmehr Bestände, die eine Reihe anderer nieder- waldbezogener Untersuchungen ermöglich- ten (siehe [20]). Entscheidendes Auswahlkri- terium war das Alter der Bestände, das der in Rheinland-Pfalz flächenmäßig häufigsten Altersklasse von Stockausschlagwäldern ent- sprechen sollte (≈ 85 Jahre). Ferner sollte es sich um die typischen, von Traubeneiche dominierten Bestände mit Hainbuche als Ne- benbaumart handeln. Im Frühjahr 2009 wurden im Naheberg- land, etwa 10 km östlich der Kleinstadt Baumholder (Landkreis Birkenfeld), drei Versuchsflächen eingerichtet. Die Größe der Versuchsflächen betrug jeweils 1 ha, die Entfernung zwischen den einzelnen Flächen maximal 1 km. Eine detaillierte Standortsbe- schreibung gibt SCHNEIDER [2004]. Nach dem letzten Niederwaldhieb erfolgten keine waldbaulichen Maßnahmen, die das Wachs- tum der Elsbeeren begünstigten. Auf den Versuchsflächen wurden für die Darstellung der Häufigkeit und Dimension sämtliche Elsbeeren > 1,3 m inventarisiert, dendrometrisch vermessen (Bhd, Höhe) und für nachfolgende Messungen dauerhaft markiert. Zum Vergleich wurde mit den Ei- chen ebenso verfahren, wobei Höhenmes- sungen nur stichprobenweise erfolgten. Im Juli 2009 wurden zur Feststellung der Altersstruktur der Elsbeerpopulation 80 Elsbeeren (≈10 % aller inventarisierter Els- beeren) gefällt und von jedem Baum eine Stammscheibe unmittelbar über dem Erd- boden gewonnen. Um die Altersvariation möglichst vollständig abzubilden, wurden dafür Probebäume über den gesamten Durchmesserbereich hinweg ausgewählt. Nach entsprechender Vorbereitung (Abb. 1) wurde mithilfe eines hochauflösenden Scan- ners in Verbindung mit der Software Win- DENDRO™ je Stammscheibe eine Jahrring- breitenserie entlang eines Radius auf 0,01 mm genau gemessen. Mittels einer vorab erstellten so genannten Masterchronologie wurde das Baumalter rechnerisch und nach Augenschein bestimmt [28]. Zur Rekonstruktion des Dicken- und Hö- henwachstums wurden 20 Probebäume ge- fällt. Als Auswahlkriterium wurde ein mög- lichst großer Bhd festgelegt, um möglichst lange Wachstums-Zeiträume darstellen zu können. Die dafür notwendigen Stammschei- ben wurden in den Höhen 0 m, 1,3 m und darüber in Meterintervallen entnommen und wie oben beschreiben ausgewertet. Im Wipfelbereich (Durchmesser der Stammach- se < 1 cm) wurde das Höhenwachstum mit- tels Knospenschuppennarben bestimmt [29].