Z Med Psychol 19 (2010), 81 – 87 Das Essener Trauma Inventar – Validierung an einer Stichprobe von Bundeswehrsoldaten The Essen Trauma Inventory – Validation in a sample of German soldiers Robin Hauffa 1 , Marcus Roth 2 , Karl-Heinz Biesold 3 , Elmar Brähler 1 & Sefik Tagay 4 Zusammenfassung Problem: Das Essener Trauma-Inventar (ETI) ist ein neues Verfahren zur Diagnostik der Posttraumatischen Belastungsstörung und der akuten Belas- tungsreaktion. Es besteht aus insgesamt 58 Items, davon 23 symptombezo- gene Items die den vier Subskalen Intrusion, Vermeidung, Hyperarousal und peritraumatische Dissoziation zugeordnet werden. Derzeit erfolgt die Vali- dierung an verschiedenen Stichproben in unterschiedlichen Sprachen. Im Rahmen dieser Arbeit soll die Validität des ETI in einer militärischen Stich- probe aus Deutschland untersucht werden. Methode: Es wurden 292 Bundeswehrsoldaten befragt. Das mittlere Alter betrug 23.68 Jahre (SD = 5.68; Range = 18 – 47). Der Anteil weiblicher Sol- daten betrug 6.2%. Als Außenkriterien wurden die Impact of Event Scale – Revised und die Posttraumatische Stress Skala-10 für die konvergente sowie die Symptom Check List 27 (SCL-27) für die Beurteilung der diskriminan- ten Validität eingesetzt. Ergebnisse: Objektivität, Reliabilität und Validität des ETI sind für die un- tersuchte Stichprobe gut bis sehr gut. Die Subskaleneinteilung ließ sich fak- torenanalytisch nicht bestätigen. Schlussfolgerungen: Das ETI ist ein ökonomisches Testinstrument, dessen Einsatz sowohl zum Screening als auch zur professionellen Diagnostik ge- eignet ist. Es ist das einzige spezifische deutschsprachige Testinstrument, das mit gutem Ergebnis auf seine Eignung in einer militärischen Stichprobe untersucht wurde. Abstract Objective: The Essen Trauma-Inventory (ETI) is a novel instrument for di- agnosing posttraumatic and acute stress disorder. It consists of 58 items including 23 symptom based items arranged in four subscales: intrusion, avoidance, hyperarousal and peritraumatic dissociation. It is presently vali- dated in several different samples in different languages. Within this study the ETI will be validated in a German military sample. Methods: A total of 292 German soldiers were questioned. Age ranged from 18 – 47 years (M = 23.68; SD = 5.68), 6.2% were female. The Impact of Event Scale – Revised and the Posttraumatische Stress Skala-10 were used to evaluate convergent validity, the Symptom Check List 27 (SCL-27) for discriminant validity. Results: In this sample, objectivity, reliability and validity of the ETI are good to very good. The factorial structure could not be confirmed by factor analysis. Conclusion: The ETI is an economic test instrument. It is suitable for screening as well as professional diagnostics. It is the only specific Ger- man trauma-questionnaire having been validated with good results for its applicability in a sample of military personnel. Schlagworte Essener Trauma-Inventar, PTBS, Validität, Screening Key-Words Essen Trauma-Inventory, PTSD, Validity, Screening 1 Einleitung Am 3. Juni 2008 wurde das 17. Einsatzkontingent der Inter- national Security Assistance Force (ISAF) vom Bundesmi- nister für Verteidigung in den Auslandseinsatz verabschie- det. Damit wurde seit Aufstellung der Bundeswehr zum 250 000. Mal ein deutscher Soldat in den Einsatz entsandt (Presse- und Informationsstab BMVg, 2008). Obwohl der Anteil der Rückkehrer, der an einer Posttraumatischen Be- lastungsstörung (PTBS) leidet, mit 0.8 – 2.5 % (Hauffa et al., 2007) nur sehr gering ist, nimmt die Wahrscheinlichkeit ehe- malige Soldaten mit Einsatztraumata auch in der zivilen Ge- sundheitsversorgung und insbesondere der Psychiatrie anzu- treffen deutlich zu. Es gibt allerdings bisher kein spezifisches Korrespondenzadresse: Robin Hauffa, Abteilung für Psychiatrie und Psy- chotherapie, Bundeswehrkrankenhaus Hamburg, Lesserstraße 180, 22049 Hamburg. Tel.: 0341 6810326; E-mail: robinhauffa@hotmail.com. 1 Selbständige Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universität Leipzig. 2 Institut für Psychologie II, Universität Leipzig. 3 Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, Bundeswehrkrankenhaus Hamburg. 4 Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Rheinische Kliniken Essen/Klinik der Universität Duisburg-Essen. deutschsprachiges Screeninginstrument, das an dieser spezi- ellen Stichprobe validiert wurde. Mit dem Essener Trauma- Inventar (ETI, Tagay et al., 2007) soll diese Lücke geschlos- sen werden. Das ETI (Tagay et al., 2007) ist ein Selbstbeurteilungsfra- gebogen zur Erfassung traumatischer Lebensereignisse und dient der Identifikation posttraumatischer Störungen. Beson- deres Augenmerk liegt dabei auf der Diagnostik der PTBS (ICD-10: F 43.1, DSM-IV: 309.81) und der akuten Belas- tungsreaktion (ICD-10: F 43.0, DSM-IV: 308.3). Dies bietet im Gegensatz zu anderen Instrumenten die Möglichkeit, bei- de Störungen ohne Mehraufwand zu erfassen. Auch hinsicht- lich der Verlaufsbeobachtung ergibt sich der Vorteil, dass das gesamte Symptomspektrum inklusive der dissoziativen Sym- ptomatik und der psychosozialen Einschränkungen sowohl kurz nach dem traumatischen Ereignis als auch nach einer längeren Latenzzeit erfasst werden können. Ein „lückenlo- ses“ Monitoring ohne Wechsel des Fragebogens und damit bessere Vergleichbarkeit der Testzeitpunkte ist so möglich. Das ETI misst die Symptomlast auf den vier Skalen Intrusion, Vermeidung, Hyperarousal und Dissoziation. Es handelt sich um ein neues Verfahren, welches an der Uni- versität Duisburg-Essen entwickelt wurde und gegenwärtig Zeitschrift für Medizinische Psychologie 2/2010 81