P. Knöll
1, 2
· J. Oppermann
1, 2
· J. Vehreschild
3
· F. Beyer
1, 2
· T. Kaulhausen
1
· J. Siewe
1
·
G. Stein
1
· C. Otto
1
· O. Cornely
3
· P. Eysel
1
· H. Wyen
4, 5
· V. Jakob
4
· E. Neugebauer
4
·
K. Zarghooni
1, 2
1
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Klinikum der Universität Köln, Köln
2
Zentrum für Klinische Studien (ZKS Köln), Studienzentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie,
Chirurgisches Regionalzentrum des CHIR-Net Witten/Herdecke-Köln, Köln
3
Klinik für Innere Medizin I, Klinikum der Universität zu Köln, Köln
4
Institut für Forschung in der Operativen Medizin (IFOM), Fakultät für Gesundheit,
Universität Witten/Herdecke, Chirurgisches Regionalzentrum des CHIR-Net Witten/Herdecke-Köln, Köln
5
Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie,
Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Frankfurt am Main
Als Kliniker Rotand
im CHIR-Net
Evaluation des Kurrikulums
Die Durchführung und Teilnahme an
klinischen Studien stellt gerade für
die operativen Fächer eine große Her-
ausforderung dar, da vor allem durch
die zunehmende Ökonomisierung die
Arbeitsbelastung in den Kliniken in
den letzten Jahren immer höher ge-
worden ist. Ein zusätzliches Problem
bei chirurgischen Studien ist, dass
neue Operationsmethoden von dem
jeweiligen Operateur zunächst sicher
und standardisiert erlernt werden
müssen, um sie in einer klinischen
Prüfung vergleichend untersuchen zu
können.
Eine von Otto et al. [8] durchgeführte
MEDLINE-Recherche (1966–2009) zeigte,
dass nur 11,7% der publizierten klinischen
Studien „randomisierte kontrollierte Stu-
dien“ (RCT) waren. Da in der Medizin Be-
handlungsabläufe zunehmend evidenzba-
siert aufgestellt werden, muss es Ziel sein,
für immer mehr chirurgische Therapie-
verfahren RCTs mit einem Evidenzgrad
1 nach den Oxford-Kriterien [3] vorwei-
sen zu können.
Die Durchführung klinischer Studien
in der operativen Medizin ist oft schwierig
zu finanzieren, da bei dem Vergleich un-
terschiedlicher Operationsmethoden we-
der ein Pharmakonzern noch ein Medi-
zinproduktehersteller ein Interesse an der
Durchführung haben. An einem direkten,
kompetitiven Vergleich unterschiedlicher
medizinischer Implantate von gegebenen-
falls unterschiedlichen Herstellern haben
zwar Ärzte und Patienten, nicht jedoch
die Hersteller abgesehen von wenigen
Ausnahmen [6] ein Interesse.
Durch die Anpassung des Medizinpro-
duktegesetzes im Jahr 2010 (4. MPG-No-
velle, [1]) wurden die Kriterien zur Zulas-
sung neuer Medizinprodukte verschärft.
In Zukunft müssen daher zumindest für
Produkte der Risikoklassen IIb und III kli-
nische Studien für die Zulassung durchge-
führt werden.
Um die Durchführung klinischer Stu-
dien in Deutschland voranzubringen, hat
das BMBF (Bundesministerium für Bil-
dung und Forschung) Koordinierungs-
zentren für klinische Studien (KKS) an zu-
nächst 7 Standorten gefördert. Inzwischen
existieren an 17 deutschen Standorten Ko-
ordinierungszentren für klinische Studi-
en, die im KKS-Netzwerk organisiert sind
[7]. Zur Förderung der klinischen Studi-
en in der Chirurgie wurde im Jahr 2003
das Studienzentrum der Deutschen Ge-
sellschaft für Chirurgie (SDGC) gegrün-
det und erhielt eine Förderung durch das
BMBF [4, 5, 11]. Die Durchführung mul-
tizentrischer klinischer Studien nach den
Vorgaben internationaler Standards und
Richtlinien (ICH-GCP, [2]) erfordert je-
doch auch vor Ort in den durchführenden
Prüfzentren ein hohes Maß an Know-how
und Ressourcen.
Ergänzend und zur Einbindung beson-
ders auch der nichtuniversitären Häuser
wurde deshalb 2006 das chirurgische Stu-
diennetzwerk CHIR-Net aufgebaut und
durch das BMBF gefördert [9]. Durch
die Betreuung und Einbindung nichtuni-
versitärer Kliniken in der Umgebung der
CHIR-Net-Zentren in die klinische For-
schung wurde die Basis für die Durchfüh-
rung qualitativ hochwertiger klinischer
Studien in der Chirurgie weiter verbrei-
tert.
Organisationen der
CHIR-Net-Zentren
In den einzelnen CHIR-Net-Zentren
werden klinische Studien geplant, deren
Durchführung organisiert und betreut,
ausgewertet und publiziert. Hierzu stehen
den einzelnen Zentren durch das BMBF
Chirurg 2013
DOI 10.1007/s00104-013-2519-7
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013
1 Der Chirurg 2013
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Originalien