Hans-Joachim Hahn JerusalemNiniveüber Brünnund die russische Front …“Der Erste Weltkrieg als Erfahrungsraum in der Literatur Eugen Hoeflichs Die Erfahrung des Ersten Weltkriegs an der Front in Osteuropa, in der Türkei und schließlich in Palästina bildet die biografische Grundlage für die Entstehung des expressionistischen Werks von Eugen Hoeflich. Vor diesem Hintergrund entwirft der 1891 im Wiener Arbeiterbezirk Ottakring geborene Schriftsteller und Publizist als Mittzwanziger seinen zionistischen Panasiatismus 1 und veröffentlicht sein erstes programmatisches Buch Der Weg in das Land (1918) sowie 1920 die beiden literarischen Anthologien Feuer im Osten und Der rote Mond mit Kurzprosa und Gedichten. Auch sein panasiatisches Hauptwerk Die Pforte des Ostens (Hoeflich 1923) ist von der Kriegserfahrung geprägt. Hoeflich verarbeitet seine Kriegsteil- nahme in verschiedenen Darstellungsformen: im Tagebuch, in Briefen, Beiträgen für Zeitschriften, Gedichten, kurzen Prosastücken, einem Tatsachenroman, der 1946 auf Hebräisch veröffentlicht wurde, 2 sowie weiteren Bearbeitungen in späte- ren Texten, etwa dem autobiographischen BerichtDie Flucht nach Tarschisch (Hoeflich 1963). 3 Primär als Orienterlebnisgedeutet, stellt seine Zeit als Soldat in literarischer Hinsicht einen Fundus dar, auf den der 1927 endgültig nach Palästi- na ausgewanderte Hoeflich ein Leben lang zurückgreift. Seine Erfahrungen wäh- rend des Ersten Weltkriegs, vor allem die seines Jerusalem-Aufenthalts 1917, ließen Hoeflich Vorstellungen entwickeln, die ihn zuletzt dauerhaft nach Palästi- na führten, wo er zu einem neuen Menschenkonvertierte: Der letzte Eintrag in 1 Der Panasiatismus Hoeflichs war ein handlungstheoretisches Konzept, das von einer geistigen Einheit Asiens ausging, die er dem Mechanismus, dem Imperialismus und dem Kolonialismus Europas entgegensetzte. In diese Einheit wollte er das Judentum reintegrieren. 2 Ein deutschsprachiges Manuskript des Romans liegt im Nachlass Hoeflichs/Ben-Gavriêls in der National Library of Israel (=NLI) in Jerusalem: NLI, ARC.Ms. Var. 365 2 17 Moshe Yaaqov Ben Gavriel Archive 19151978. Ich danke Dr. Stefan Litt und den Mitarbeitern des Archivs für die freundliche Bereitstellung dieser und anderer Materialien sowie für die Erlaubnis, daraus in diesem Aufsatz zitieren zu dürfen. 3 Es existiert eine Fortsetzung des autobiographie-nahen Romans Flucht nach Tarschisch, die Hoeflichs Kriegseinsatz nach Angaben von Armin A.Wallas ausführlich dokumentiert. Leider konnte das Manuskript für diesen Beitrag nicht mehr eingesehen werden. Vgl. M.Y. Ben-Gavriêl, Marc Faktor. Ein autobiographischer Bericht. In: NLI, ARC.Ms. Var. 365 2 86 Moshe Yaaqov Ben Gavriel Archive 19151978. 10.1515/YEJLS-2014-0009 Angemeldet | h.j.hahn@gmx.net Autorenexemplar Heruntergeladen am | 14.11.14 17:28