JanaKnot-Dickscheit, Anne-Marie Huyghen, Francis vander Mooren & Erik Knorth Erkundung eines Phánomens, Strategien und lnterventions- móglichkeiten: Schulabsentismus und Drop-out in den Niederlanden Zusammenfassung ln diesem Artikel gebenwir einen Einblick in das Verstàndnis der Phànomene Schulabsentismus und Drop-out in den Niederlanden. Es wird der Umfang der Problematik eingeschátzt und die den Schulabsentismus und Drop-out beeinflussende Faktoren werden umschrieben. Die Schule spielt dabeieine nicht unbedeutende Rolle. Deutlich wird, dass die verschiedenen Risikofaktoren eng miteinander verbunden sind. DarUber hinaus spielendie Risikofaktoren auch problemUbergreiÍend eine Rolle, sowohl beim Drop-out als auch beim Schulabsentismus. In den Niederlanden besteht eine Vielzahl Programrne und lnitiativen, um Schulabsentismus und Drop-out zu begegnen. Einige dieser Programme und lnitiativen werden exemplarisch vorgestellt. Trotz all dieser BemUhungen undInnovationen aufdemGebiet von Schulabsentismus undDrop-out sinddie Effekte dieser MaBnahmen nochunbefriedigend. DieGrUnde hierfUr werden aufgezeigt. Von entscheidender Bedeutung ist es, bestehende Angebote vor dern Hintergrund qualitativ hochwertige Forschung weiter zu entwickelnund sie letztendlich wissenschaftlich im Hinblick auf ihreEffektivitàt zu uberprUfen (evidence based practice). í Begriffsbestimmung In den Niederlanden werden Schulabsentismus und Drop-out sowohl inhaltlich als auch betreffend der darauf abzielenden Práventions- und lnterventionsstrategien voneinander unterschieden. Der Schulabsentismus wird global in zwei Formen unterteilt, námlich in den absoluten Schulabsentismus und den relativen Schulabsentismus. Absoluter Schulabsentismus bedeutet,dass schulpflichtige SchUler/ -innen bei keiner Schule angemeldet sind(vgl. u. a. Van der Hoeven 2006; Van Gorp 2004; Boekhoorn & Speller 2004). Eltern sind dem Gesetz nach verpflichtet ihr Kind bei einer Schule anzumelden (Pràvention von absolutem Schulabsentismus) unddafUr Sorge zu tragen, dassihr Kind die Schule regelmàBig besucht (Právention von relativem Schulabsentismus). Ab dem 12. Lebensjahr sind Jugendliche mitverantwortlich fUrihren regelmàBigen Schulbesuch. lm Falle von relativem Schulabsentismus ist der/ die SchUler/ -in Uber kUrzere oder làngere Zeit (wiederholt) unerlaubt abwesend (Boekhoorn & Speller 2004). Der relative Schulabsentismus kennt zwei Unterformen,den so genannten Luxusabsentismus und den Signalabsentismus. Mit Luxusabsentismus wird das Phánomen umschrieben. dass die Eltern mitihren Kindern auBerhalb derSchulferien in denUrlaub gehen undbeim Signalabsentismus beschreibt dasunerlaubtes Fehlen aufgrund problembehafteter biographischer HintergrUnd bei den Kindern und Jugendlichen selbst und/oder innerhalb ihrer Familie (vgl. u.a. Vander Hoeven 2006, Van Gorp 2004, Boekhoorn & Speller 2004). Als ,Drop-outs'werden Jugendliche im Alter zwischen 12 biseinschlieBlich 22 Jahren bezeichnet, welche die Schule verlassen ohne eine sogenannte Startqualifikationl. ' Wir wollennachdriicklich darauf hinweisen, dass sichunsere Definitionvon Drop-out alle Jugendlichen einbezieht, die vorzeitig die Schule verlassen ohne das Erreichen einerStartqualifikation. Dieser Gruppe gehóren 38