I
n den Industriestaaten erfolgt die Trink-
wasserdesinfektion häufig in zentralen
Anlagen mittels chemischer Methoden
oder ultravioletter Strahlung. Regelmäßig
auftauchende Berichte in den Medien, z.B.
über Legionellen-Infektionen, zeigen je-
doch, dass das desinfizierte Wasser nicht
keimfrei beim Verbraucher ankommt. Das
ist für manche medizinische Einsatzgebie-
te, aber auch für einige Labor-Anwendun-
gen, kritisch, sodass das Wasser vor Ort
erneut desinfiziert werden muss. Hierzu
eignen sich neue kurzwellige UV-LEDs
ganz besonders.
Zentrale chemische Desinfektion
und UV-Desinfektion
Trinkwasser wird häufig in großen Anlagen
chemisch mit Chlor oder Ozon desinfiziert.
Es gibt jedoch Keime, die gegen diese Desin-
fektionsmittel weitgehend resistent geworden
sind, wie z.B. Legionellen, Kryptosporidien
und Giardia. Für 2012 nennt das Robert-
Koch-Institut in Deutschland 733 nachgewie-
sene Legionellosen, 1469 Kryptosporidiosen
und 5351 Giardiasis-Fälle und schätzt die
Dunkelziffer bei den Legionellosen auf über
20 000 [1]. In den meisten Fällen lässt sich
die genaue Infektionsquelle nicht ermitteln,
aber bei den genannten Erregern gilt eine
Trinkwasser-assozierte Infektion zumindest
als sehr wahrscheinlich [1,2].
Die Bestrahlung mit ultraviolettem Licht
im Spektralbereich unterhalb von 280 nm
(UVC) ist eine seit vielen Jahrzehnten etab-
lierte alternative Wasserdesinfektionstech-
nik. Bereits 1910 wurden Quecksilber-Ent-
ladungslampen (Hg-Strahler) zur Erzeugung
der benötigten kurzwelligen UV-Strahlung
eingesetzt [3] und auch noch heute wer-
den diese Strahlungsquellen verwendet.
Sie weisen ein Spektrum mit Emissionsli-
nien über den ganzen UV-Bereich auf. Die
stärkste antimikrobielle Wirkung verursacht
die 254 nm-Hg-Linie, deren Licht von der
DNA der Mikroorganismen stark absorbiert
wird und die dabei photochemisch geschä-
digt werden (Abb. 1). Da alle Keime DNA
(oder RNA) aufweisen, ist diese Art der UV-
Desinfektion prinzipiell gegen alle Erreger
wirksam und es wurden bisher keine Resis-
tenzen beobachtet.
Point of Use-Desinfektion
Auf dem Weg durch die Leitungen zum
Verbraucher bleibt das desinfizierte Wasser
selbst bei einer Chlorierung in der Regel
nicht keimfrei. Das hat in vielen Alltagssi-
tuationen keine spürbaren Konsequenzen,
kann aber in medizinischen Einrichtungen
ganz anders aussehen, wenn z.B. Wasser in
offene Wunden gelangen kann oder in Kon-
takt mit immunschwachen Patienten kommt.
In solch eine Situation kommen jährlich
Millionen Menschen z.B. beim Zahnarztbe-
such, wenn bei einer Behandlung Wunden
im Mund entstehen und der Zahnarzt, mit
dem dafür im Spülbecher bereit gestelltem
Wasser zum Ausspülen, auffordert. Dieses
Wasser wird in der Regel vor der Ausgabe
in der Behandlungseinheit mit Wasserstoff-
peroxid oder anderen Chemikalien neu des-
infiziert [5].
Solch eine zusätzliche Wasser-Desinfek-
tion bei der Entnahme vor Ort, die sogenannte
„Point of Use“-Desinfektion (POU-Desinfek-
tion), senkt das Infektionsrisiko erheblich und
macht nicht nur beim Zahnarzt Sinn. Es gibt
begründete Vermutungen, dass Krankenhaus-
Wasser-Desinfektion mit UV-LEDs
Kleine Systeme mit großer Zukunft
M. Heßling und M. Sift
©
Epigap Optronik GmbH
36 ▪▪▪ GIT Labor-Fachzeitschrift 6/2014
Medienversorgung, Reinstwasser & Gas
Fachartikel