Romuald Kaczmarek Breslau im Netz. Einige Bemerkungen zum Problem der künstlerischen Verbindungen der Stadt unter der Herrschaft der Luxemburger und Jagiellonen Dieser kurze Bericht will nicht 200 Jahre Geschichte der Kunst in der schle- sischen Metropole zusammenfassen; er will vielmehr zur Reflexion anregen über die Richtungen der künstlerischen Verbindungen Breslaus im Spät- mittelalter, über ihre schwankende Dynamik, die wechselseitigen Beziehun- gen und auch Missverhältnisse, abhängig jeweils vom Typ der „Aktivität“, die man in Betracht zieht. Im Fokus eines auf eine bestimmte Kunstgattung spezialisierten Kunsthistorikers verschwinden die verschiedenen Kompo- nenten der künstlerischen Kultur der Stadt aus dem Blickfeld. Den fokus- sierten Bereich sieht man vielleicht klarer; er bildet jedoch die Komplexität der tatsächlichen Prozesse nicht ab. Um einen solchen breiteren Untersu- chungsansatz bemüht sich in letzten Jahrzehnten die sogenannte Kunst- geographie, von Thomas DaCosta Kaufmann „the geohistory of art“ 1 genannt. Die Methoden dieser, auf eine kontinentale oder globale Skala angewandten Wissenschaft kann man gleichfalls auf die Mikroskala, z. B. die Städte, über- tragen. Wolfgang Schmid etwa hat dies 1994 in seinem auf Köln bezogenen Beitrag gezeigt. 2 Für die Stadt Breslau sind wir noch fern von einer solchen Annäherung an die von Schmid skizzierten Problematik. Wahrscheinlich wird die Lückenhaftigkeit der Breslauer Quellen dies auch nie erlauben. Zweifellos stehen wir in der Kunstgeschichte Breslaus, auch auf dem Gebiet der mittelalterlichen Kunst, vor Grundlagenforschungen, wie etwa der Be- standsaufnahme in situ, der Analyse der Absatzgebiete für Breslauer Werk- stätten, der quantitativen Erhebung der hiesigen Kunstproduktion im Ver- hältnis zur Exportmenge der Kunstwerke, Nachforschungen zu Werken in 1 DACOSTA KAUFMANN (2004), 1–13, 68–104, 341–351. Hier findet sich eine kritische Ana- lyse des Terminus und der Methode der Kunstgeographie und ihrer Anwendung seit dem 1. Welt- krieg bis heute sowie ein Vorschlag ihrer Erneuerung als „geohistory of art“. Vgl. auch DACOSTA KAUFMANN, Time and place (2005); – DACOSTA KAUFMANN, Adam Miłobe ˛dzki (2005).