1 Kerres, Michael; Stratmann, Jörg; Ojstersek, Nadine; Preußler, Annabell: Digitale Lernwelten in der Hochschule Mit digitalen Lernwelten in der Hochschule sind unterschiedliche Erwartungen verbunden. Trotz vielfältiger Bemühungen erweist sich jedoch die Hoffnung, E-Learning würde zu einer wesentlichen Verbesserung der Lehre in der Breite führen, als trügerisch. Im Folgenden wird deswegen zum einen die Frage aufgegriffen, wie die nachhaltige Verankerung einer innovativen Lehrpraxis mit E-Learning erreicht werden kann. Zum anderen geht es um die Frage, welche Anforderungen an digitale Lernwelten zu stellen wären, um eine solche innovative Lehrpraxis zu unterstützen. 1. Nachhaltigkeit von E-Learning In der Diskussion im Hochschulbereich wird E-Learning regelmäßig als Motor für Veränderungen in der Hochschullehre gesehen. So verweist etwa Schulmeister (2001, 2006) auf die Chancen von E-Learning für eine „bessere“ Lehre: eine Lehre, die stärker auf Aktivitäten der Lernenden – statt des Lehrens – setzt, die selbstgesteuertes wie auch kooperatives Lernen, das sich auf Fallmaterialien, komplexe Probleme oder Projektarbeiten stützt und hochschulübergreifende Zusammenarbeit in der Lehre – auch international – fördert. Durch verschiedene Förderprogramme – initiiert insbesondere in den Jahren 1995 bis 2005 auf unterschiedlichen Ebenen der Politik – sind vielfältige Varianten eines innovativen Computereinsatzes im Hochschulbereich sichtbar geworden (Kerres & Nübel 2005). Doch selbst massive Mittelzuwendungen haben den erhofften Durchbruch nicht mit sich gebracht. Vielerorts ist E-Learning ein Randthema geblieben, das die Aufmerksamkeit nur Weniger auf sich zieht: Die initiierten Projekte können oftmals nicht genügend Nachhaltigkeit erzielen. Kerres (2001) weist auf die „Inkompatibilität“ von Erfordernissen mediengestützter Lehre (etwa der arbeitsteiligen Umsetzung) und den Rahmenbedingungen an Hochschulen hin und benennt Erfolgsfaktoren für die dauerhafte Implementation von E-Learning. Insbesondere die Studie von Euler & Seufert (2005) arbeitet die Faktoren genauer heraus, die beeinflussen, ob E-Learning Innovationen in Organisationen über die Dauer erfolgreich sind und sich verstetigen. Ein wesentlicher Faktor sind dabei die Lehrenden: Sie können als gate keeper betrachtet werden, von denen es abhängt, ob E-Learning an einer Hochschule langfristig erfolgreich genutzt wird: Den Lehrenden, ihrer Kompetenz und Motivation, kommt eine Schlüsselrolle zu, um E-Learning zu verankern und eine innovative Lehr- Lernkultur zu etablieren. Lange Zeit stand die Produktion und Erprobung von Lernmaterialien im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit eines „E-Learning Projektes“. Es ging um die Entwicklung und Implementation digitaler Lehr-Lernmedien und -szenarien zu bestimmten Themengebieten. Die Implikationen und Konsequenzen für eine grundlegende Überarbeitung von Curricula und didaktische Reformen standen selten im Mittelpunkt der Diskussion. Die Gewinnung einer „breiten Masse“ (oder auch der „zweiten Welle“).von Lehrenden für E-Learning Innovationen macht ein Umdenken erforderlich. Es wird ein faculty engagement (Hagner & vorläufige Endfassung von: Kerres, M., Stratmann, J., Ojstersek, N., Preussler, A. (2009): Digitale Lernwelten in der Hochschule. In: Kai-Uwe Hugger , Markus Walber (Hrsg.): Digitale Lernwelten. VS-Verlag für Sozialwissenschaft, Wiesbaden.