Psychische Störung und Partnerschaft:
Auswirkungen und Belastungen affektiver Störungen
auf die Partnerschaft
Mental Disorder and Partnership: the Influence and Potential Burden of Affective
Disorders on the Quality of Partnerships
Autoren Erika Wieser
1
, Tanja Richter-Schmiedinger
1
, Christine Glückler
1
, Anika Schmidt
1
, Julia Volkert
2
, Andreas Reif
2
,
Johannes Kornhuber
1
, Teresa Biermann
1
Institute
1
Psychiatrische und Psychotherapeutische Klinik der Universität Erlangen
2
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Würzburg
Schlüsselwörter
●
"
Paarbeziehung
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"
affektive Störung
●
"
Beziehungsqualität
●
"
Belastungsfaktoren
Keywords
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"
partnership
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"
affective disorder
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"
relationship quality
●
"
factors of relationship strain
Bibliografie
DOI http://dx.doi.org/
10.1055/s-0034-1387588
Psychiat Prax
© Georg Thieme Verlag KG
Stuttgart · New York
ISSN 0303-4259
Korrespondenzadresse
Dipl.-Psych. Erika Wieser
Häfnersgässchen 2
91126 Schwabach
erikawieser@hotmail.de
Originalarbeit
Einleitung
!
Die Themen Partnerschaft und Familie haben für
unser Leben eine zentrale Rolle und sind wesent-
liche Faktoren für Zufriedenheit und Wohlbefin-
den [1]. Damit ist nachvollziehbar, dass das Schei-
tern einer Paarbeziehung als bedeutsame Lebens-
krise erlebt wird und mit einer Vielzahl psy-
chischer Probleme wie Depressionen, Ängsten
und Schlafstörungen einhergehen kann [2]. Es
zeigt sich also eine enge Verbindung zwischen
psychischen Erkrankungen und verschiedenen
Aspekten der Paarbeziehung. Führt man sich bei-
spielsweise die typischen Symptome einer De-
pression wie mangelnden Antrieb oder sozialen
Rückzug vor Augen, wird schnell deutlich, dass
eine depressive Erkrankung auch beträchtliche
Auswirkungen auf den Partner haben kann. Bei
einer manischen Erkrankung ergeben sich dane-
ben noch die Konsequenzen aus manischen Epi-
soden wie ungezügeltes Ausgeben von Geld oder
das Eingehen außerehelicher Beziehungen. Wei-
terhin erscheint die aktuelle Beziehungssituation
als wesentlicher Faktor bei der Entstehung, der
Aufrechterhaltung und dem Verlauf einer psy-
chischen Erkrankung, sodass die beiden Faktoren
psychische Erkrankung und Beziehung in hohem
Maße miteinander verwoben sind und sich ge-
genseitig beeinflussen [3]. Diese Verzahnung fin-
det breite Akzeptanz in der Literatur. So beschrei-
ben die Untersuchungen von Wiese et al. [4],
Brown und Booth [5] oder Mackenzie und Kolle-
gen [6], dass eine als niedrig erlebte Ehequalität
mit einem erhöhten Vorliegen einer psychischen
Erkrankung verbunden ist. Fincham et al. [7] so-
wie Schwennen und Bierhoff [8] fanden in ihren
Untersuchungen, dass die Mehrzahl der befragten
depressiven Patienten Beziehungsprobleme an-
gab und insgesamt in der Partnerschaft weniger
Glück als gesunde Kontrollpersonen empfand.
Auch prospektive Untersuchungen [9] stützen
die These, dass Eheprobleme das Auftreten einer
psychischen Störung begünstigen. Darüber hi-
naus lässt sich belegen, dass die Qualität der Be-
ziehung sich auf die Rückfallrate auswirkt
[10, 11].
Bei Vorliegen einer affektiven Störung ist jedoch
nicht nur die Beziehung gestört, auch der Partner
des Patienten ist einer Reihe von Belastungen aus-
gesetzt [12]. Dem Konzept der Equity-Theorie
[13] folgend ist eine mögliche Erklärung die, dass
in der Beziehung mit einer psychisch erkrankten
Person die Reziprozität gestört ist und damit das
ausgeglichene Muster an Geben und Nehmen
nachhaltig gestört wird. Eine weitere Theorie ist,
dass psychisch erkranke Personen über geringer
ausgeprägte Strategien zur Stressbewältigung
verfügen und damit mit Konflikten nur unzurei-
chend umgehen könne. Diese Theorie wird auch
gestützt durch die Befunde von Whisman und
Kollegen [14], die zeigen, dass die Korrelation
zwischen dem Vorliegen einer psychiatrischen
Diagnose und einer reduzierten Beziehungsquali-
tät in jüngerem Alter höher ist. Angehörige wei-
Wieser E et al. Psychische Störung und … Psychiat Prax
Zusammenfassung
!
Fragestellung: Untersucht werden soll der Zu-
sammenhang zwischen psychischer Störung und
der Beziehungsqualität sowie den Auswirkungen
der Erkrankung auf die Partnerschaft.
Methoden: Depressive, manisch-depressive Pa-
tienten und deren Partner sowie eine gesunde
Vergleichsgruppe füllten verschiedene Fragebö-
gen zur Paarbeziehung sowie der psychischen Ge-
sundheit aus.
Ergebnisse: Es zeigen sich signifikant niedrigere
Maße der Beziehungsstabilität und -qualität bei
beiden Patientengruppen. Die Partner der Patien-
ten erleben eine deutlich höhere psychische Be-
lastung als die gesunde Vergleichsgruppe.
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