Übersetzter Nachdruck: Morino M, Parini U, Allaix M, Monasterolo G, Brachet Contul R, Gar- rone C. Male sexual and urinary function after laparoscopic total mesorectal excision. Surg Endosc 2009;23:1233–1240. Eine laparoskopische totale mesorek- tale Exzision (LTME) aufgrund eines Rektumkarzinoms ist technisch mach- bar. Sie bietet akzeptable Komplikati- onsraten und onkologische Kurzzeiter- gebnisse vergleichbar mit denen einer offenen Operation [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8]. Jedoch darf die Lebensqualität („quali- ty of life“, QoL) beim Streben nach on- kologischer Spitzenleistung nicht ver- gessen werden. Bei den postoperativen Sexual- und Blasenfunktionsstörungen, die aus einer versehentlichen Schädigung der Splanchnikus- und hypogastrischen Nerven im Becken resultieren, handelt es sich um bekannte Komplikationen einer Rektumresektion [9, 10, 11]. Eine laparoskopische Operation, ob- wohl technisch anspruchsvoll und as- soziiert mit einer langen Lernkurve, hat den Vorteil einer besseren Visualisierung der kleinsten Strukturen, einschließlich der autonomen Nerven. Der Einsatz ei- ner laparoskopischen Methode bei der Behandlung eines Rektumkarzinoms könnte daher die Bewahrung der auto- nomen Nerven im Becken ermöglichen. Nichtsdestotrotz sind aber die Daten zu den funktionellen Ergebnissen der lapa- roskopischen TME limitiert und kontro- vers [12, 13]. Diese retrospektive klinische Studie hatte das Ziel, die sexuellen und funkti- onellen Ergebnisse bei Männern in einer konsekutiven Patientenserie zu unter- suchen, in der die Patienten sich wegen eines distalen und mittleren Rektumkar- zinoms einer laparoskopischen Operati- on in unseren Kliniken unterzogen hat- ten. Materialien und Methoden Männliche Patienten mit der Diagnose eines Karzinoms im mittleren oder dis- talen Rektum wurden aus einer prospek- tiven Datenbank aus 850 Patienten mit einer laparoskopischen kolorektalen Re- sektion herausgesucht. Die Lokalisation des Rektumkarzinoms wurde nach den International Guidelines for Cancer Re- gistrars [14] als distales Rektum (≤7 cm vom Analrand) und mittleres Rektum (7–12 cm vom Analrand) definiert. Die präoperative Untersuchung um- fasste die körperliche Untersuchung, eine totale Koloskopie, Ultraschall der Leber, abdominelle Computertomogra- phie (CT), Röntgenaufnahme des Tho- rax und Bestimmung von Tumormar- kern [karzinoembryogenes Antigen (CEA) und Tumorantigen („cancer anti- gen“, CA) 19–9]. Präoperativ als T3 oder T4 ohne Fernmetastasen eingestufte Patienten wurden mit präoperativer Chemotherapie mit Bestrahlung (45 Gy über 4 Wochen, zusammen mit syste- mischer intravenöser 5-Fluouracil-In- fusion) behandelt und 20 Tage nach Be- endigung der Behandlung mit einer kli- nischen Untersuchung und CT nach- untersucht. Zu diesem Zeitpunkt wur- de der definitive Einschluss in die Stu- die entschieden und lokal fortgeschritte- ne Tumore der Klassifikation T4 (TNM) ausgeschlossen. Sexual- und Blasenfunktionen wurden nicht präoperativ evaluiert Alle Eingriffe wurden von 2 Chirurgen durchgeführt (M.M., U.P.), beides Ex- perten in den fortgeschrittenen laparos- kopischen Methoden sowie kolorektalen Operationen. Die beiden Operateure führten die Eingriffe nach den gleichen onkologischen und klinischen Prin- zipien durch, einschließlich totaler me- sorektaler Exzision, wie beschrieben bei Heald et al. [15]: adäquate Resektionsrän- der, Bewahrung der autonomen Nerven, en bloc vaskuläre Resektion und Lymph- adenektomie sowie minimale intraopera- tive Manipulation des Tumors. Zeigte die digitale Untersuchung ein Karzinom, das den anatomischen Analkanal erreichte oder am Beckenboden fixiert war, wur- de eine laparoskopische abdominoperi- neale Resektion durchgeführt. Die standardisierten Eingriffe wur- den vor Beginn der Studie festgelegt und dann bei allen teilnehmenden Patienten durchgeführt. Unsere Methode der la- paroskopischen TME ist andernorts be- schrieben [1]. Am Ende der anterioren Resektion wurde ein protektives Stoma angelegt, abhängig von der technischen Einschätzung des Chirurgen bezüglich der Qualität der Anastomose. Das prä- und postoperative Vorgehen war standardisiert. Es wurde präoperativ keine spezielle mechanische Darmvorbe- coloproctology 2010 · 32:23–29 DOI 10.1007/s00053-010-0065-z Online publiziert: 7. Februar 2010 © Urban & Vogel 2010 M. Morino · M.E. Allaix · G. Monasterolo · C. Garrone Chirurgia Generale II, Center for Minimally Invasive Surgery, Department of Surgery, University of Turin, Torino Sexual- und Blasenfunktion bei Männern nach laparoskopischer totaler mesorektaler Exzision Standorte Morino M, Parini U, Allaix M et al (2009) Male sexual and urinary function after laparosco- pic total mesorectal excision. Surg Endosc 23:1233–1240 23 coloproctology 1 · 2010 |