Gefässchirurgie 2009 · 14:350–361
DOI 10.1007/s00772-009-0696-y
© Springer Medizin Verlag 2009
D. Böckler
1
· W. Lang
2
· E.S. Debus
3
· I. Flessenkämper
4
· H.J. Florek
5
· T. Noppeney
6
·
T. Schmitz-Rixen
7
· S. Nöldecke
8
· T. Hupp
9
· H.-H. Eckstein
10
1
Klinik für Gefäßchirurgie, Vaskuläre und Endovaskuläre
Chirurgie, Chirurgische Universitätsklinik, Heidelberg
2
Abteilung für Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Erlangen
3
Klinik und Poliklinik für Gefäßmedizin, Universitäres Herzzentrum
Hamburg, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
4
Klinik für Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie, DRK Klinikum Berlin-Mitte
5
Klinik für Gefäßchirurgie, vaskuläre und endovaskuläre
Chirurgie, Phlebologie, Weisseritztal-Kliniken, Freital
6
Medizinsiches Versorgungszentrum Gefäßmedizin, Nürnberg
7
Klinik für Gefäß- und Endovascularchirurgie, Universitätsklinikum Frankfurt a.M.
8
Abteilung für Gefäßchirurgie, Klinikum Garmisch-Partenkirchen
9
Klinik für Gefäßchirurgie, Katharinenkrankenhaus, Klinikum Stuttgart
10
Klinik für Gefäßchirurgie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München
Randomisierte
Studien mit EBM-
Level 1 beweisen es
Ein Screeningprogramm für abdominelle
Aortenaneurysmen ist sinnvoll!
Leitthema
Trotz einer steigenden Inzidenz ge-
planter Operationen bei asymptoma-
tischen abdominellen Aortenaneu-
rysmen (AAA) steigt die geschlechts-
und altersstandardisierte Letalität
durch AAA-Rupturen weiter an [1, 2].
Die Gesamtletalität einer AAA-Ruptur
liegt im Vergleich zu einer postope-
rativen Mortalität nach 30 Tagen von
3,3% bei elektiver AAA-Operation ge-
mäß einer dänischen Studie aus dem
Jahr 2006 (http://www.karbase.dk)
bei etwa 90% [1]. Es stellt sich des-
halb die Frage, ob ein Screening für
AAA in Deutschland zur Senkung der
AAA-assoziierten Letalität nicht sinn-
voll wäre. Länder wie Großbritannien,
USA und Schweden haben ein Scree-
ningprogramm bereits etabliert.
Zur Durchführung eines Screenings müs-
sen bestimmte Kriterien der WHO und
des Europarates erfüllt sein [1, 3, 4]. Die
Sonographie bietet sich zum Screening
des AAA an, da sie als Untersuchungs-
methode bewährt, einfach durchführ-
bar, flächendeckend verfügbar, für den Pa-
tienten nicht belastend und kostengünstig
ist (. Abb. 1, [5]). Sie ist zudem schnell,
sicher und weist eine Sensitivität und Spe-
zifität von 98 bzw. 99% auf [6]. Teilnah-
mequoten bei diversen Screeningpro-
grammen von 53–79% sind wiederholt er-
zielt worden, und etwa 95% der Patienten
mit kleinen AAA nehmen an einem Beo-
bachtungsprogramm teil [1, 2]. Dies spie-
gelt die hohe Akzeptanz der Methode bei
Patienten wider.
Weiterhin sind die Indikationsstel-
lungen zur Behandlung des asymptoma-
tischen AAA klar. Der Durchmesser des
Aneurysmas ist der in der Praxis am bes-
ten anwendbare Risikofaktor für eine
Ruptur. Randomisierte kontrollierte Stu-
dien haben gezeigt, dass ein Eingriff bei
einem Durchmesser ≥55 mm angezeigt ist
[7, 8]. Weitere unabhängige Risikofaktoren
für eine Ruptur wie Geschlecht, Nikotin-
abusus, mittlerer arterieller Blutdruck und
FEV (forced endexspiratory volume) sind
ebenfalls bekannt (. Tab. 1).
E Wenn das Screening akzeptiert
werden soll, müssen auch die
Behandlung und die potenziell
damit verbundenen Risiken für
den Betroffenen akzeptabel sein.
Es ist bekannt, dass Patienten nach einer
konventionellen AAA-Operation die glei-
che Lebensqualität wie die entsprechende
Allgemeinbevölkerung besitzen. Nur 2–
5% der Patienten lehnen die Operation ab.
Allerdings bestehen bei mindestens 15%
Kontraindikationen gegen die Operation.
Bei 85–90% der durch Screening entdeck-
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Gefässchirurgie 5 · 2009