C. Koch
1
· H.C. Hansen
2
· M. Westphal
3
· T. Kucinski
1
· H. Zeumer
1
1
Abteilung für Neuroradiologie (Direktor: Prof. Dr. H. Zeumer)
Universitäts-Krankenhaus Eppendorf, Hamburg
2
Neurologische Klinik und Poliklinik (Direktor: Prof. Dr. K. Kunze)
Universitäts-Krankenhaus Eppendorf, Hamburg
3
Neurochirurgische Klinik und Poliklinik (Direktor:Prof.Dr.H.-D.Herrmann)
Universitäts-Krankenhaus Eppendorf, Hamburg
Die kongestive Myelopathie
durch spinale durale
arteriovenöse Fisteln
Anamnese, Klinik, Diagnostik, Therapie
und Prognose
Die chronische Myelopathie durch ei-
ne kongestive Schädigung des Rücken-
marks als Folge einer spinalen duralen
arteriovenösen Fistel (SDAVF) ist heute
eine gut behandelbare Erkrankung,
wenn sie rechtzeitig erkannt wird. Be-
vor Kendall u. Logue [18] im Jahre 1977
erstmals die morphologischen und pa-
thophysiologischen Zusammenhänge
der Erkrankung beschrieben haben,
war ein nach Foix u. Alajouanine [12]
benanntes Syndrom einer Myelomala-
zie und erweiterter intraduraler, peri-
medullärer Venen bekannt, ohne daß
die die Erkrankung verursachenden
Pathomechanismen erklärt werden
konnten.
Obwohl durch zahlreiche Veröf-
fentlichungen von Einzelfällen und Un-
tersuchungsserien [3, 4, 6, 18, 20, 22, 25,
27, 28, 32] der Bekanntheitsgrad der Er-
krankung zugenommen hat, wird sie
häufig erst nach längerer Krankheits-
dauer diagnostiziert. Dabei fällt auf,
daß uns die an einer SDAVF erkrankten
Patienten gehäuft von denselben Ärz-
ten zur klärenden Diagnostik und The-
rapie zugewiesen werden, so daß eine
positive Patientenselektion zu vermu-
ten ist. Es ist also von großer Bedeu-
Der Nervenarzt 4·98
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279
Übersicht
Nervenarzt
1998 · 69:279–286 © Springer-Verlag 1998
Zusammenfassung
Die kongestive Myelopathie durch die spina-
le Durafistelerkrankung (SDAVF) – früher oft
als Varikosis spinalis oder Foix-Alajouanine-
Syndrom bezeichnet – wird durch eine bis-
lang nur angiographisch nachweisbare arte-
riovenöse Kurzschlußverbindung verursacht,
wobei der arterielle Zufluß über die menin-
gealen Arterien und der venöse Abfluß des
arterialisierten Blutes in die spinalen peri-
medullären Venen erfolgt. Die Erkrankung
tritt bevorzugt bei Männern und jenseits der
6. Lebensdekade auf. Der chronische Rück-
stau in die Rückenmarksvenen führt zu-
nächst zu funktionellen und reversiblen,
schließlich bleibenden Schäden, wobei als
häufigstes Symptom eine zunehmend pare-
tische Gangstörung beobachtet wird. Die
von distal nach proximal aufsteigenden,
häufig symmetrischen Paresen sind im Ver-
lauf der Erkrankung meist langsam progre-
dient. Analog hierzu entwickeln sich Sensibi-
litätsstörungen, die bei Diagnosestellung
überwiegend querschnittsförmig verteilt
sind, und Störungen der Blasen-Mastdarm-
Funktion, die meist zu einer Inkontinenz füh-
ren. Der kernspintomographische Befund ist
durch eine typischerweise zentral im
Rückenmark gelegene, leicht raumfordernde
Signalanhebung, die initial einem rückbil-
dungsfähigen Stauungsödem und später
Stauungsinfarkten entsprechen, sowie er-
weiterte perimedulläre Gefäße gekennzeich-
net.Tritt die beschriebene klinische Befund-
Dr. C. Koch
Abteilung für Neuroradiologie,
Universitäts-Krankenhaus Eppendorf,
Martinistraße 52, D-20246 Hamburg& / f n - b l o c k : & b d y :
konstellation in Kombination mit diesem re-
lativ charakteristischen kernspintomogra-
phischen Befundmuster auf, ist die Ver-
dachtsdiagnose der kongestiven Myelopa-
thie so wahrscheinlich, daß eine angiogra-
phische Abklärung indiziert werden muß. Da
unsere Ergebnisse belegen, daß der thera-
peutische Erfolg der Behandlung und damit
die Prognose der Erkrankung entscheidend
vom Ausmaß der klinischen Symptome zum
Zeitpunkt der Diagnosestellung abhängt,
muß angesichts der guten Behandlungs-
möglichkeiten die Diagnose, die bei Beach-
tung der klinischen Leitsymptome mit Hilfe
der kernspintomographischen Schnittbild-
diagnostik leichter denn je vorverlegt wer-
den kann, so früh wie möglich erfolgen, um
den Patienten vor einem bleibenden spina-
len Querschnitt zu bewahren.
Schlüsselwörter
Arteriovenöse Gefäßmißbildung, spinale ·
Arteriovenöse Malformation, spinale · Fistel,
arteriovenöse · Fistel, spinale durale ·
Rückenmark, Kernspintomographie ·
Magnetische Resonanztomographie, spinale ·
Myelographie · Angiographie · Therapie,
Embolisation