1 Erschienen in: Vittorio Hösle / Fernando Suárez Müller (Hrsg. 2015) Idealismus heute. Aktuelle Perspektiven und neue Impulse. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 194-214 Christian Tewes Was spricht für den Idealismus im Leib-Seele-Problem? I. Das schwierige Problem des Bewusstseins Geht es in der Philosophie des Geistes und den Kognitionswissenschaften um die Frage nach der explanatorischen Bestimmung des ‚Bewusstseins‘, ist der Sachverhalt in Betracht zu ziehen, dass in der Forschung unter diesem Begriff ganz unterschiedliche Phänomene und Aspekte untersucht und subsumiert werden. Beispielsweise ist David Chalmers der Auffassung, dass Bewusstseinsphänomene wie Schlafen und Wachen, die Fähigkeit, Umweltreize zu diskriminieren, wie auch das metakognitive Vermögen, über mentale Zustände berichten zu können, in die explanatorische Domäne der Neuro- und Kognitionswissenschaften fallen (Chalmers 1998, 223). Alle diese Phänomenbereiche gehören dabei nach Chalmers‘ Auffassung zu den „einfachen“ Herausforderungen der Bewusstseinsforschung (Chalmers 1998, 223). Worin besteht in diesen Fällen die explanatorische Kraft dieser Disziplinen bezüglich der genannten Bewusstseinseigenschaften? Chalmers‘ Antwort verweist auf den funktional- reduktiven Physikalismus, der zum Beispiel gemäß Jaegwon Kim auf die gesamten mentalen Vorgänge Anwendung finden soll. Anders als im klassischen nomologischen Reduktionismus, wie er sich prototypisch bei Ernest Nagel findet (Nagel 1971), werden die Explananda in diesem Ansatz in einem ersten Schritt funktional bestimmt und es wird dann nach Mechanismen gesucht, welche diese höherstufigen kognitiven Funktionen realisieren. Dabei ist es denkbar, dass entsprechende Funktionen n-ter Ordnung vielfältige Realisatoren haben können, die im Rahmen des reduktiven Naturalismus und im Kontext unserer Diskussion aber häufig auf der neuronalen Erklärungsebene gesucht werden (Kim 2003, 571-573). Wie ist das Verhältnis zwischen den funktional-mentalen Zuständen und ihren multiplen Realisatoren genauer einzuschätzen? Kim verdeutlicht diesen Gesichtspunkt am Beispiel von Schmerzen: Letztere können seiner Einschätzung nach über keinerlei kausale Kapazitäten verfügen, die ihnen nicht aufgrund ihrer Realisatoren verliehen werden. Alles andere käme einem magischen Sprung oder Vorgang gleich, denn dass die Reizung von C-Fasern Schmerzen