Afrika & Wissenschaft Africa & Science / Afrique & Science Band 1 (2010) – Heft 4 1 Sauberes Trinkwasser für alle ist machbar in Afrika! Von Chicgoua Noubactep „Water is fundamental for life and health. The human right to water is indispensable for leading a healthy life in human dignity. It is a prerequisite to the realization of all other human rights.” The United Nations Committee on Economic, Cultural and Social Rights „Verseuchtes Wasser bringt vor allem Kleinkindern den Tod. Für das Überleben und die Gesundheit von Millionen Mädchen und Jungen ist entscheidend, dass die Versorgung mit Trinkwasser und sanitären Einrichtungen in armen Ländern verbessert wird.“ Eva Luise Köhler (UNICEF-Schirmherrin) Zusammenfassung Heute hat weltweit über eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Eine nachhaltige Versorgung der Weltbevölkerung mit sauberem Trinkwasser gehört zu den zentralen Herausforderungen der Menschheit. Im Rahmen des Millenniumsentwicklungsziels wollen die Vereinten Nationen bis 2015 diese Zahl hal- bieren. Die Fachwelt geht heute davon aus, dass das Millenniumsziel in Afrika wohl nicht erreicht wird. Denn die Kosten für sanitäre Anlagen und Trinkwassergewinnung würden sich pro Jahr allein in Afrika auf 30 Milliarden Dollar belaufen. So viel Geld steht nicht einmal für alle weltweiten Projekte zur Verfügung. Um das Millen- niumsziel erreichen zu können, müssten sicherlich starker Willen und politische Entschlossenheit überall vorhanden sein. Vor allem aber benötigt man belastbare, innovative Wasseraufbereitungstechnologien, die finanziell tragbar sind. Hat man eine solche Technologie, so kann das Millenniumsziel in Afrika doch noch erreicht oder gar übertroffen werden. Dieser Beitrag stellt das Prinzip einer solchen Technologie dar. Die Technologie besteht darin, Haushaltseisenfilter zur Wasseraufbereitung einzusetzen. Die Eignung des Eisens als Filtermaterial beruht darauf, dass die wässrige Eisenkorrosion zur Reinigung von Wässern unbekannter Zusammensetzung genutzt werden kann. Das Eisenmaterial ist kostengünstig verfügbar oder kann vor Ort hergestellt werden. 1. Einführung Derzeit hat rund ein Fünftel der Weltbevölkerung (ca. 1,1 Milliarden Menschen) keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. In 2006 waren in Afrika südlich der Sahara 341 Millionen Menschen davon betroffen (UNICEF & WHO 2008). Die Ursachen eine r der Wasserverschmutzung sind sehr vielfältig: (i) Auswaschen von Schadstoffen (z.B. Arsen, Uran) aus natürlichen Minerali en oder Haldenmaterialien durch sickernde Niederschläge, (ii) landwirtschaftliche Düngung, (iii) Eintrag von Schädlingsbekämpfungsmitteln, (iv) Arzneimittelrückstände und (v) Mikroorganismen. In vielen Regionen Afrikas wären die primären Wasservorräte ausreichend, doch die Infrastrukturen für eine entsprechende Aufbereitung fehlen (Momba et al. 2009). Abbildung 1 gibt einen Überblick ü ber den Stand der Wasserversor gung in Afrika, mit besonderer Berücksichtigung der Disparität Stadt - /Dorfgemeinschaften (UNICEF & WHO 2008). Als Folge der ungenügenden Versorgung mit sauberem Trinkwasser kommt es vermehrt zu Krankheiten und erhöhter Sterblichkeit. Infektionskrankheiten, die auf unsauberes Trinkwasser zurückzuführen sind, können von (i) Bakterien (Shigellose, Legionärskrankheit, Cholera, Typhus), (ii) Viren (Meningitis, Hepatitis, Poliomyelitis) oder (iii) Würmern (Schistosomiasis, Filariose oder Medinawurmbefall, Elephantiasis, Asakardienbefall) ausgelöst werden (Tabelle 1). Die Vereinten Nationen haben deshalb die Jahre zwischen 2005 und 2015 zum „Wasser für das Leben“-Jahrzehnt erklärt. Tabelle 1: Überblick über mögliche Erreger im Wasser und die von ihnen verursachten Krankheiten. Moskitos und Tsetse-Fliege sind Überträger an stehenden Gewässern und keine richtigen Erreger. Erreger Beispiele Krankheiten Bakterien Escherichia, Salmonella, Shigella, Vibrionen Cholera, bakterielle Ruhr, Enteritis (Brechdurchfall), Typhus Viren Enteroviren, Rota-Viren, lk i Gastroenteritis (Magen-Darm- Gi ) ii i ii