Marketing Review St. Gallen 6 | 2009 37 N eue Möglichkeiten der Interaktion mit dem Unternehmen haben dafür gesorgt, dass Konsumenten immer aktiver an das Unternehmen herantreten und ihre Wünsche deutlich formu- lieren (Belz/Schagen 2008). Gleichzeitig nehmen Konsumenten immer weniger die Informationen auf, die Unternehmen z. B. über klassische Werbung an sie herantragen. Der Konsument möchte ausschließlich informiert werden, wenn er auf der Suche nach Informationen ist und nicht zu einer Zeit, die ihm dafür nicht geeignet erscheint (z. B. während des Spielfilms in Form von Wer- beunterbrechungen). Diese Umkehrung der Marketinglogik wird auch hinsichtlich der Preisgestaltung deutlich. Fixpreise, als Take-it-or-leave-it-Offer des Unternehmens, geraten zunehmend auf den Prüfstand. Einige Kunden möchten aktiv mit dem Unternehmen auch über den Preis diskutieren und Einfluss nehmen. Dieser Trend wird durch gesun- kene Transaktions- und Prozesskosten im Internet verstärkt und so erleben interaktive Preismechanismen (IPM) eine Renaissance. Fixpreise wie wir sie heute üblicherweise finden, sind eigentlich eine Erscheinung der Neuzeit. Während Preisverhandlungen jahr- hundertelang der Status quo waren, führte erst Aristide Boucicaut im Jahre 1855 unter dem Eindruck der Pariser Weltausstellung mit ihrer überwältigenden Fülle an Waren etikettierte Fixpreise in sei- nem Geschäft „Le Bon Marché“ ein, die das aufwändige Verhan- deln des Preises überflüssig machten und so das Personal für andere Aufgaben freistellte. Die etikettierten Fixpreise wurden rege diskutiert und nicht überall als fair angesehen. Die Kostenerspar- nis und die relativ niedrigen Margen machten das Konzept jedoch zum Erfolg, und so adoptierte auch Winfield Woolworth in New York diese Idee. Von da an trat der Fixpreis seinen Siegeszug um die Welt an. Interaktive Preismechanismen – Die Preis - verhandlung als Begegnung mit dem Kunden Durch gesunkene Prozess- und Transaktionskosten erleben interaktive Preismechanismen wie z. B. Auktionen eine Renaissance im Online-Handel. Sie ermöglichen es, vom Konsumenten zu lernen und sind damit ein interessantes Instrument für Dialoge mit dem Kunden im Rahmen einer Inbound- Marketingstrategie. Dieser Beitrag zeigt, welche Potenziale diese Art der Preisfindung bietet und welche Einsatzgebiete aus Sicht der Autoren vielversprechend erscheinen. OLIVER HINZ | UTHO CREUSEN