Projektbasierte, teamorientierte Lehr-Lern-Strategien zum e-Learning im Bauwesen - 1 - Projektbasierte, teamorientierte Lehr-Lern-Strategien zum e-Learning im Bauwesen Karsten Menzel 1 , Uta Pottgiesser 2 Technische Universität Dresden Abstrakt: Im Rahmen des vom BMBF geförderten Verbundprojektes PORTIKO werden an den Technischen Universitäten in Braunschweig und Dresden neue Lehrkonzepte in das Präsenz- und Fernstudium durchgängig eingeführt. Grundlage der fachübergreifenden Lehr-Lern-Strategie ist die digitale Verfügbarkeit eines komplexen Lehrbeispiels, des so- genannten „Virtuellen Campus“. Mit den Projektbereichen „Virtuelle Infrastruktur“ und „Virtuelles Haus“ wird den Studierenden die Notwendigkeit von fachübergreifender, teamorientierter und koordinierter Zusammenarbeit verdeutlicht. Im vorliegenden Beitrag wird die Einbindung des e-Learning in das Curriculum an Hand der Dresdener Teilprojekte „Baukonstruktion“ sowie „Informationsmanagement zur Bau- werksbewirtschaftung“ beschrieben. Im Rahmen des Konzeptes des „Virtuellen Hauses“ erfolgt die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachgebiete. Die Zusammenarbeit umfasst gemeinsame Übungsaufgaben, per Videokonferenz ausgetauschte Vorlesungen sowie ein gemeinsames Dokumentenmanagement. Prototypische Anwendungen erfolgen bisher im Rahmen der Vorlesung „Konstruktiver Brandschutz“ und innerhalb des Europäischen Master-Studiengangs „Bauinformatik“ [3]. Zukünftig sind auch gemeinsame weiterbilden- de Veranstaltungen für Ingenieure und Architekten geplant. 1. Sind neue Lehr-Lern-Strategien nötig? Die wissenschaftsorientierte Lehre steht an Hochschulen und Universitäten eindeutig und unangefochten als Lehrprinzip im Mittelpunkt. D.h. die Abfolge der Lehrinhalte richtet sich nach der systematischen Struktur der korrespondierenden Einzelwissenschaft. Man unterscheidet hier zwischen begriffs- oder konzeptorientierter Vermittlung und verfahrens- oder prozessorientierter Vermittlung in Abhängigkeit von der Struktur der zu vermitteln- den Wissenschaft. Im Bauwesen sind beide Aspekte vertreten, wobei die Prozessorientie- rung stärker hervortritt. In letzter Zeit wurden jedoch Defizite in der rein wissenschaftsorientierten Lehre identifi- ziert. Dies betrifft insbesondere die Stärkung der subjektiven Seite des Lehrprozesses ge- genüber der kognitiven Seite – also der sogenannten „soft-skills“ wie z.B. die Fähigkeit zur Entwicklung komplexer, fachübergreifender Lösungen, Selbständigkeit, Kooperationsfä- higkeit, Kreativität aber auch Präsentationsfähigkeit. D.h. der soziale und der ästhetische Aspekt werden nun neben dem Teilbereich der weiterhin dominanten wissenschaftlichen Ausbildung als ergänzende Aspekte der universitären Lehre erkannt und gefördert. „Nur dadurch kann der Student begreifen, dass Bauen weit mehr die Lösung sozialer und kultu- reller Probleme als die Errichtung von Häusern auf einer gewissen Anzahl von Quadrat- metern bedeutet“ [2]. Die Notwendigkeit dieser „synthetischen“ Betrachtung und Tätigkeit wird bereits von Norberg-Schulz als wesentlich für Interaktion und Kulturentwicklung in einer „Epoche betonter Spezialisierung“ gesehen. 1 Dr.-Ing. habil. Karsten Menzel, Institut für Bauinformatik 2 Dr.-Ing. Uta Pottgiesser, Institut für Baukonstruktion