Schinkels Entwurf zum Hamburger Theater (1825/26) und die Debatte um den idealen Stil Manfred L uchterhandt Zwischen Theaterlogen fällt der Blick durch den Bühnenvorhang auf eine Kulisse, die un- schwer als bürgerlicher Stadtraum zu erkennen ist (Abb. 32). Ein eisernes Gatter gewährt Ein- lass zu einem Ort, auf den eine Abendgesell- schaft zustrebt. Ein Theater gewiss, doch wor- an erkennt man es? Es gibt keine überdeckte Wagenvorfahrt, nur Blechzelte für die Kut- schen, kein sichtbares Bühnenhaus, keine Por- tikus mit Giebelschmuck, der den Bildungsbe- flissenen anspricht, ja nicht einmal eine Fassa- de, die diesen Namen verdient. Stattdessen ein kompakter Baublock, der in seinen Außenfas- saden zwar filigran und feingliedrig wirkt, aber Abb. 32: Karl Friedrich Schinkel: Sammlung architektonischer Entwürfe, 12. Heft, 1828, Tafel 77: Theater in Hamburg, Ansicht des Proscenium, der daranstoßenden Logen und die perspectivische Ansicht des Theaters als Scenenbild, Kupferstich