Numerische Untersuchung der reak-
tiven Trennwandkolonne am Beispiel
der Methylacetat-Hydrolyse
Ivo Müller und Eugeny Y. Kenig*
Reaktive Trennwandkolonnen bieten eine Möglichkeit, die Vorzüge der Trennwandkolon-
nen und der Reaktivrektifikation in einem Apparat zu kombinieren. Aufgrund der Neu-
artigkeit dieses komplexen Verfahrens sind ausgiebige, numerische Untersuchungen unab-
dingbar. Zu diesem Zweck wurde ein auf dem rigorosen Stoffaustauschmodell basiertes
Simulationstool entwickelt. Die erfolgreiche Validierung des Modells und des Simulations-
tools anhand von Experimenten wird vorgestellt.
Schlagwörter: Methylacetat-Hydrolyse, Prozessintegration, Prozesssimulation, Reaktive
Trennwandkolonne
Eingegangen: 12. April 2010; revidiert: 12. Juli 2010; akzeptiert: 16. Juli 2010
Numerical Investigation of the Reactive Dividing Wall Column
Exemplified by Methyl Acetate Hydrolysis
The reactive dividing wall column concept provides an opportunity to combine the advan-
tages of dividing wall columns and reactive distillation in one single unit. Due to the novelty
of this complex process, extensive numerical investigations are necessary. For this purpose,
a simulation tool has been developed, which applies the rigorous rate-based modelling ap-
proach. The successful validation of both the model and simulation tool are presented.
Keywords: Methyl acetate hydrolysis, Process simulation, Process integration, Reactive
dividing wall column
1 Einleitung
Steigender Wettbewerbsdruck aufgrund fort-
schreitender Globalisierung, höhere Energie-
und Rohstoffkosten sowie wachsende Sen-
sibilisierung der Bevölkerung hinsichtlich der
Ökologie verlangen nach einer fortwährenden
Verbesserung der Prozesse in der chemischen
und petrochemischen Industrie. Ein vielver-
sprechender und industriell bereits eingesetz-
ter Ansatz ist die sog. Prozessintegration. Bei
diesem Konzept werden traditionell apparativ
getrennte Grundoperationen in einem Apparat
zusammengeführt. Dies soll finanzielle Ein-
sparungen ermöglichen und/oder die Effizi-
enz des Gesamtprozesses aufgrund synerge-
tischer Phänomene verbessern. Ein hohes
Potenzial weist dabei die Kombination von
Stofftrennung und chemischer Reaktion in
einem Apparat auf.
Die Kombination der bereits etablierten, in-
tegrierten Verfahren, Reaktivrektifikation [1, 2]
und Trennwandkolonne [3, 4], führen zu
einem hochintegrierten Prozess, der sog. reak-
tiven Trennwandkolonne [5, 6]. Von diesem
Apparat wird erwartet, dass er die Vorteile der
Reaktivrektifikation (Verringerung der Inves-
titionskosten, höhere Umsätze durch Über-
windung des Reaktionsgleichgewichts und
Möglichkeit zur Auftrennung von engsieden-
den oder azeotropen Gemischen) [1, 2] mit de-
nen der Trennwandkolonne (energieeffiziente
Auftrennung von Gemischen in drei und meh-
rere Produktströme in nur einer Kolonne) [3,
4] kombiniert und gegebenenfalls Synergieef-
fekte ermöglicht. Erste Untersuchungen hier-
zu zeigen ein deutliches Einsparpotenzial hin-
sichtlich Kosten und Energieverbräuchen
gegenüber weniger integrierter Kolonnenver-
schaltungen [7].
Bereits die Historie der nicht-reaktiven
Trennwandkolonne zeigt, dass eine indus-
trielle Akzeptanz eines solchen Verfahrens nur
mit einem detaillierten Prozessverständnis
einhergeht. Experimentelle Untersuchungen
hierzu sind aufgrund des heute vorherrschen-
den Termin- und Kostendrucks jedoch nur
noch eingeschränkt möglich. Stattdessen wer-
Bei dem Konzept
der Prozessintegra-
tion werden tradi-
tionell apparativ
getrennte Grund-
operationen in
einem Apparat zu-
sammengeführt.
Aufgrund des heute
vorherrschenden
Termin- und Kosten-
drucks werden ver-
stärkt Simulations-
modelle zur Prozess-
analyse eingesetzt.
Prozessintegration 2109
Chemie
Ingenieur
Technik
Chemie Ingenieur Technik 2010, 82, No. 12 © 2010 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim www.cit-journal.de
DOI: 10.1002/cite.201000084