Verschiedene Untersuchungen der letzten
Jahre konnten zeigen, dass die klassische
Immun(chemo)therapie in der Behand-
lung des metastasieren papillären Nieren-
zellkarzinoms (mpRCC) kaum/nicht wirk-
sam ist. Derzeit gibt es keine gesichert effi-
ziente, geschweige denn eine Standardthe-
rapie dieses Tumorsubtyps.
Die Tyrosinkinaseinhibitoren haben ih-
re Zulassung zur Behandlung des metasta-
sierten RCC allgemein aufgrund von Da-
ten bekommen, die beim klarzelligen RCC
erhoben wurden. Das papilläre RCC ist
aber ein genetisch wie histologisch kom-
plett anderer Tumor; hier wurde die Wirk-
samkeit bislang an keiner größeren Studie
untersucht.
Die bis Ende 2006 größte Gruppe von
mpRCC-Patienten (n=15), die mit einem
Tyrosinkinaseinhibitor therapiert wurde,
wurde im Rahmen einer RDT-Untersu-
chung (Ratain, JCO, 2006) mit Sorafenib
behandelt; die Ergebnisse waren vielver-
sprechend.
Wir initiierten Anfang 2007 eine multi-
zentrische Beobachtungsstudie zum Ein-
satz von Sorafenib beim papillären RCC.
Hintergrund waren nicht nur die ersten
vielversprechenden klinischen Daten, son-
dern auch das spezifische Genexpressions-
muster dieses RCC-Subtyps. Beim papil-
lären RCC wird oft das Onkogen c-MET
überexprimiert und damit sekundär RAS/
RAF/MEK/ERK. Speziell Sorafenib inhi-
biert diesen Signaltransduktionsweg. Fer-
ner wird beim papillären RCC c-KIT über-
exprimiert, das ebenfalls von verschie-
denen Tyrosinkinaseinhibitoren inklusive
Sorafenib blockiert wird.
Dokumentiert werden können alle Pati-
enten mit einem mpRCC, die in Ihrer Pra-
Urologe 2007 · 46:1291–1291 · DOI 10.1007/s00120-007-1500-9 · Online publiziert: 2. August 2007
© Springer Medizin Verlag 2007
A.J. Schrader
1
· A. Hegele
1
· P. Olbert
1
· J. Buer
2
· A. Jeron
2
· R. Hofmann
1
1
Klinik für Urologie und Kinderurologie, Universitätsklinikum Gießen und
Marburg GmbH, Marburg
2
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Braunschweig
Anwendungsbeobachtung zum Einsatz
von Sorafenib beim papillären
Nierenzellkarzinom
xis/Klinik („1st line“ oder „2nd line“) mit
Sorafenib behandelt wurden oder werden.
Dokumentationsunterlagen sind auch im
Internet erhältlich (http://www.med.uni-
marburg.de/d-einrichtungen/urologie/stu-
dien).
Charakterisierung des Einflusses
regulatorischer T-Zellen (Treg) auf
den Immunescape-Mechanismus
des Nierenzellkarzinoms
Das klarzellige konventionelle Nierenzell-
karzinom (cRCC) ist ein immunogener
Tumor; oft zeigen sich deutliche Infiltrati-
onen von mononukleären Zellen (TIL) im
Tumor. Trotzdem bleibt in den meisten
Fällen eine effiziente Immunantwort, die
die Progression des Malignoms verhin-
dern könnte, aus. Eine erste Studie hat ge-
zeigt, dass die Immunantwort des Orga-
nismus auf den Nierentumor durch be-
stimmte T-Zell-Subpopulationen modifi-
ziert bis unterdrückt werden kann (sog.
regulatorische T-Zellen, Tregs).
Das derzeit an der Universitätsklinik
Marburg in Zusammenarbeit mit dem
Helmholtz-Zentrum für Infektionsfor-
schung durchgeführte Projekt charakteri-
siert die Zellzahl dieser CD4
+
CD25
high
-T-
Zellen im Nierentumor sowie der Peri-
pherie von Tumorpatienten, ihr Genex-
pressionsprofil sowie ihren funktionellen
Einfluss auf die körpereigene Immunant-
wort und somit die Tumorprogression.
Korrespondenzadresse
PD Dr. A.J. Schrader
Klinik für Urologie und Kinderurologie, Universi-
tätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Baldingerstraße, 35033 Marburg
ajschrader@gmx.de
Das Nierenzellkarzinom (NZK) stellt den
dritthäufigsten urologischen Tumor dar.
Nach der Ausbildung von Metastasen
(MS), welche bei etwa 60% der Patienten
auftreten, ist eine kurative Behandlung
des NZK nicht mehr möglich. Die beste-
henden Therapien weisen nur geringe
Ansprechraten verbunden mit erheb-
lichen Nebenwirkungen auf. Daher ist die
Identifikation neuer therapeutischer An-
Urologe 2007 · 46:1291–1292 · DOI 10.1007/s00120-007-1397-3 · Online publiziert: 11. Juli 2007
© Springer Medizin Verlag 2007
D. Wuttig
1
· C. Höfling
1
· S. Füssel
1
· M. Meinhardt
2
· A. Herr
3
· P. Tennstedt
1
·
O. Holotiuk
4
· G. Baretton
2
· A. Meye
1
· M.-O. Grimm
1
· A. Rolle
5
· M.P. Wirth
1
1
Klinik und Poliklinik für Urologie, Medizinische Fakultät der TU Dresden, Dresden
2
Institut für Pathologie, Medizinische Fakultät der TU Dresden, Dresden
3
Institut für Klinische Genetik, Medizinische Fakultät der TU Dresden, Dresden
4
Gemeinschaftspraxis für Pathologie Dr. Holotiuk – Dr. Zuber – Dr. Kellermann, Dresden
5
Zentrum für Pneumologie, Thorax- und Gefäßchirurgie,
Fachkrankenhaus Coswig GmbH, Coswig
Transkriptomweite Expressionsanaly-
sen an pulmonalen Nierenzellkarzinom-
metastasen
1291 Der Urologe 9 · 2007
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