123 Deutsch als Wissenschaftssprache Hartmut Haberland und Klaus Schulte Sonderdruck aus Michael Svendsen Pedersen und Hartmut Haberland, Hrsg. Sprogliv – Sprachleben.. Festschrift für Karen Sonne Jakobsen. Roskilde 2008, ISBN 978-87-92024-11-4 „På en sprogpolitisk konference i anledning af Copenhagen Business Schools 90-års jubilæum den 5. 12. 2007 … spurgte en repræsentant for Videnskabsministeriet: Hvad er problemet? Er der overhovedet et problem med den tiltagende sproglige ensidighed?” (Sonne Jakobsen 2008:14) 1. Die soziolinguistische Situation Dass sich die Rolle des Deutschen als internationale Wissenschaftssprache verändert hat, seit sich die Stanford University in Palo Alto im Jahre 1891 das Motto „Die Luft der Freiheit weht“ gab (eine deutsche Übersetzung von Ulrich von Huttens „videtis illam spirare libertatis au- ram“), steht außer Zweifel. Unklar ist, ob das etwas ausmacht. Der Vertreter des dänischen Wissen- schaftsministeriums, der am 5. Dezember 2007 die Frage stellte, was denn an der zunehmenden sprach- lichen Einseitigkeit falsch sei, meint das ganz sicher nicht. Die soziolinguistischen Tatsachen sind inzwi- schen bekannt und soweit sie nicht bekannt sind, sind sie dabei erforscht zu werden (hier sei nur auf Tsunoda 1983 und auf Ulrich Ammons vielfältige Veröffentlichungen hingewiesen, z.B. Ammon 1991, 1998; Coulmas Hrsg. 2007). Aber unklar ist, ob wirklich dadurch etwas verloren geht, dass nicht mehr so viel auf Deutsch geschrieben wird und vieles von dem, was schon auf Deutsch geschrieben ist, etwa auf Englisch rezipiert wird. 1 2. So what? Hans-Martin Gauger, der Freiburger Romanist, hat auf einer Tagung in Mainz zum Deutschen als Wissenschaftssprache im 20. Jahrhundert die Frage gestellt „Warum nicht Englisch?“ (Gauger 2000). Diese Frage ist durchaus zweideutig zu verstehen: als echte Frage, „Welche Gründe gibt es, nicht zum Englischen 1 Ganz kürzlich zum Thema des Englischen als Wissenschaftssprache Coulmas (2007)