1. Einleitung Die Verlegung der Ochtum zählt zu den spektakulärsten Ausgleichsmaßnahmen in der Bundesrepublik (BÜCKEN, 1991). Anlass war die seit den 60er Jahren geforderte Erwei- terung des Bremer Flughafens, da die Verhältnisse der Start- und Landebahn im Westteil des Flughafens nicht mehr den gestiegenen Sicherheitsansprüchen im internationalen Flugverkehr entsprachen. Die Ufer langsamströmender Fließgewässer Nord-West- deutschlands sind häufig von Röhrichtvegetation gesäumt, die von wenigen Arten wie Phragmites australis dominiert wird. Zumindest fragmentarisch sind ihnen im Freiwasser- bereich Schwimmblatt- und Unterwasserpflanzengesell- schaften vorgelagert. Die neuangelegte Ochtum wies nach fünf Jahren (1994) nur geringe Besiedlungsanteile durch höhere Pflanzen im Wasserkörper auf. Obwohl mit der Fertigstellung der Och- tumverlegung zum Jahresende 1989 (BÜCKEN, 1991) bereits Initialbepflanzungen in Uferbereichen und Flach- wasserzonen eingebracht wurden (HOBRECHT, 1997), hat- ten diese kaum Auswirkungen auf die Besiedlung der Ufer- bereiche zwischen 10–150 cm Wassertiefe. Auch nach fünf Jahren sind diese Uferzonen weitgehend vegetationsfrei. Die Bodenkultur 119 54 (2) 2003 Untersuchung zur ausbleibenden Makrophytenentwicklung an neuangelegten Flussabschnitten an der Ochtum bei Bremen (Deutschland) K.-G. Bernhardt, M. Koch, M. Spitzer und K.-F. Schreiber Lack off reed colonization after river dislocation near Bremen (Germany) Summary After the dislocation of the river Ochtum in Bremen, the new river banks and shallow water areas were replanted with reed. But the re-vegetation efforts were not very successful: Five years after re-vegetation, the river banks bore hardly any vegetation. In the course of additional scientific monitoring, the re-vegetation potential of macrophytes especial- ly Phragmites australis was studied. We aimed to assess the size and composition of the soil seed bank, the quality and quantity of imported diaspores, and their ability to establish reed species. A marked difference between the diaspore community of the new river banks and the flood basins was found. The input of reed species into the seed bank was low and reed macrophytes could not establish very successfully. After the dislocation of the river Ochtum actual vegetation as well as a seed bank pool of reed species were missing and colonization could not take place from within the side. Keywords: plant colonization, Phragmites australis, re-vegetation, river-dislocation, soil seed bank. Zusammenfassung Nach der Verlegung eines Flussabschnittes der Ochtum bei Bremen wurde eine mangelnde Makrophytenbesiedlung der Ufer und der Wasserkörper festgestellt. Auch Röhrichtanpflanzungen, z.B. von Phragmites australis, waren nicht erfolgreich. Deshalb wurde die Diasporenbank im Boden, sowie der Diasporeneintrag untersucht. Als wichtige Stand- ortfaktoren erwiesen sich insbesondere Wasserstandsschwankungen und die Abflussgeschwindigkeit. Insgesamt war die Besiedelung durch Zielarten „Makrophyten“ gering, ruderale Störzeiger dominierten hingegen. Es fand keine Etablierung der Makrophyten in der Diasporenbank statt. Folgerungen für zukünftige Maßnahmen werden disku- tiert. Schlagworte: Flussverlegung, Phragmites australis, Makrophytenbesiedlung, Diasporenbank, Vegetationslenkung. BOKU 2_2003_LETZTE 22.01.2004 11:34 Uhr Seite 119