BISp-Jahrbuch 2003 293 Identifikation von mannschaftstaktischem Verhalten in den Spielsportarten 1 Jörg M. Jäger, Wolfgang I. Schöllhorn (Projektleiter) Universität Münster Institut für Sportwissenschaft 1 Problem Bislang dominierten funktionsanalytische spielerorientierte Ansätze die Analyse von Mannschaftsspielen, wobei sich das Vorgehen dem noch ungelösten Problem des Zeit- und Raumstellenwertes von Spielsituationen annähert, ohne die Rauminformationen aller Spieler in gleichzeitiger Abhängigkeit von der Zeit zu berücksichtigen. Dabei wurde pri- mär der Beitrag einzelner Spieler isoliert eingeschätzt (Bracht & Czwalina, 1984) oder die Abfolge von ausgewählten Spielzuständen analysiert (Lames, 1991). Vernachlässigt sind oftmals quantitative Analysen, die wechselseitige Interaktionen der Spieler während ein- zelner taktischer Maßnahmen in Raum und Zeit zum Untersuchungsgegenstand haben. Einige Forschungsarbeiten weisen auf die Möglichkeit einer Mannschaftsidentifikation aufgrund des Bewegungsverhaltens einer Spielergruppe im Rahmen eines taktischen Spielzuges hin, die bei Betrachtung einzelner Spieler nicht zu erkennen ist (Westphal & Schöllhorn, 2001; 2002). Analog dem gestaltpsychologischen Ansatz „das Ganze ist etwas anderes als die Summe der Teile“ scheinen Interaktionen zwischen den Spielern abzulau- fen, die mittels komplexer Mustererkennungsverfahren zu quantifizieren sind. Bei paral- leler Analyse von Raum und Zeit werden dabei Abhängigkeiten der Mannschaftserken- nung von den Laufwegen (zeitkontinuierlich) und den Verteidigungspositionen (zeitdis- kret) analysiert. Ziele der vorliegenden Untersuchung sind u.a. die Identifikation und Klas- sifikation komplexer Interaktionsmuster im Volleyball. 2 Methode Datenerhebung: Die Mustererkennungsverfahren zur Identifikation von mannschaftsspezi- fischen Verhalten werden in Spielbegegnungen eingesetzt, die auf internationalem Niveau stattfinden. Dazu wurden die Frauen-Nationalmannschaften von Bulgarien (Bul), Tsche- chien (Cze), Deutschland (Ger), Italien (Ita), Japan (Jpn) und Mexiko (Mex) während der Vorrundenspiele der Frauen Volleyball Weltmeisterschaft in der Halle Münsterland (Münster) mit vier digitalen Videokameras (drei JVC GR-DVL 9800/9700, eine PANASONIC NV-DX 100) aufgezeichnet, wobei die Bewegungen der Spielerinnen auf 1 VF 0407/06/17/2002-2003