718 © 2004 Ernst & Sohn Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH & Co. KG, Berlin · Beton- und Stahlbetonbau 99 (2004), Heft 9
Fachthemen
Josef Hegger
Wolfgang Roeser
Hubert Bachmann
Andreas Nitsch
Unter Anwendung hochfester Werkstoffe, innovativer Bewehrungs-
technik und der neuen Normengeneration wurden architektonisch
ansprechende Parkhäuser aus Betonfertigteilen entwickelt. Die
geringen Bauteilabmessungen ermöglichen hierbei filigrane Trag-
werke mit einer hellen und freundlichen Gesamtwirkung.
Parking Building with high strength Concrete
By employing high strength concrete, innovative reinforcement
technology and the new generation of german codes, innovative
parking structures have been developed, fullfilling high architec-
tonical requirements. The slender structural elements give a light
and pleasant overall impression.
1 Einleitung
Wenn die Gestaltung unserer Städte an Bedeutung ge-
winnt, sollte auch der bisher vernachlässigte Parkraum ei-
nen wesentlichen Beitrag hierzu leisten. Parkhäuser als
reine Zweckbauten werden daher zukünftig an Bedeutung
verlieren. Vielmehr besteht der Bedarf nach hochwertigen
Bauwerken innerhalb der verdichteten Bebauung. Der
kaufkräftige Kunde erwartet hier ein Einkaufserlebnis,
das vom Einzelhandel mit großem Aufwand dargeboten
wird. Im Gegensatz dazu stehen häufig unübersichtliche
und halbdunkle Parkhäuser, die eher bedrohlich als ein-
ladend wirken und verständlicherweise gemieden werden.
Ziel sind vielmehr übersichtliche Parkhäuser, die auf-
grund der hellen und freundlichen Erscheinung den er-
höhten Anforderungen gerecht werden [1]–[3]. Heute er-
möglichen die neue Normengeneration (z. B. DIN 1045-1
[4], DIN 1055-3 [5]) und verbesserte Baustoffe die
Konstruktion von gestalterisch hochwertigen Parkhäusern
aus Betonfertigteilen ohne störende Innenstützen. Insbe-
sondere bei Anwendung von hochfesten Betonen und wei-
terentwickelten Verbindungsmitteln lassen sich filigrane
Parkhäuser mit glatter Deckenunterseite entwerfen.
Auf Initiative der Fachvereinigung Deutscher Beton-
fertigteilbau e.V. wurde daher eine Machbarkeitsstudie
durchgeführt [6], um innovative Tragsysteme mit geringen
Querschnittsabmessungen und filigraner Erscheinung zu
entwickeln. In Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro
leanfield [7] wurden drei Parkhausvarianten ausgearbei-
tet, die sowohl dem Wunsch der Nutzer nach Übersicht-
lichkeit als auch dem der Betreiber nach geringen Unter-
haltungskosten gerecht werden, und gleichzeitig durch
ihre Außenwirkung zum qualitätsvollen Bauen in unseren
Städten beitragen.
2 Auswirkung der neuen Normengeneration auf den
Parkhausbau
Die DIN 1045-1 stellt neben dem verbesserten Sicher-
heitskonzept, der leichteren Anwendung von computerge-
stützten Berechnungsverfahren und Materialkennwerten
für hochfesten Beton höhere Anforderungen an die Ge-
brauchstauglichkeit, insbesondere bei ungünstigen Um-
welteinflüssen. Vor allem bei Parkdecks waren in der Ver-
gangenheit erhebliche Schäden durch Undichtigkeiten,
Betonstahlkorrosion, Rißbildungen und mechanische
Beanspruchungen zu bemängeln. Daher wurden in DIN
1045-1 die Anforderungen an Betonqualität, Beton-
deckungen und weitergehende Maßnahmen wie Be-
schichtungen durch die Einführung der neuen Exposi-
tionsklassen verschärft. Die Auswirkungen der neuen
Normengeneration auf den Parkhausbau wurden in dem
Kolloquium „Verkehrsbauten Schwerpunkt Parkhäuser“
in Esslingen [2] kritisch diskutiert. Während sich insbe-
sondere bei Parkhäusern konventioneller Bauweise durch
höheren Stahlgehalt, größere Betonfestigkeit und höhere
Anforderungen an die Beschichtungen die Herstellungs-
kosten vergrößern, sind bezogen auf die Lebensdauer
zukünftig geringere Unterhaltungskosten zu erwarten.
Für Parkdecks, die in die Expositionsklasse XD3 ein-
gestuft werden, ergibt sich eine Betondeckung von c = c
min
+ ∆c = 55 mm für befahrene Flächen und darüber hinaus
zusätzliche Maßnahmen, wie z. B. eine rißüberbrückende
Beschichtung. Gemäß Heft 526 [8] des Deutschen Aus-
schuß für Stahlbeton werden als weitergehende Maßnah-
men eine Beschichtung OS 11 oder eine Abdichtung ent-
sprechend ZTV-ING genannt. Bei zweimaliger Wartung
der Beschichtung im Jahr darf die Expositionsklasse XD1
angesetzt und die Betondeckung um 10 mm verringert
werden. Da die Außenluft zu allen Bauteilen des Parkhau-
ses ständig Zugang hat, ist hinsichtlich der Karbonatisie-
rung die Expositionklasse XC3 maßgebend, die für die
nicht befahrenen Deckunterseiten und Unterzüge die er-
forderliche Betondeckung und die Dekompressionsnach-
weise vorgibt. Für Parkdecks aus Stahlbeton wird der Re-
chenwert der Rißbreite gemäß DIN 1045-1 Tabelle 18 zu
w
k
= 0,3 mm festgelegt, wobei zusätzlich besondere Maß-
Die Anforderungen an die Dauerhaftigkeit
von Parkhäusern sind gestiegen.
Vorgefertigte Parkhäuser aus
hochfestem Beton
Herrn Prof. em. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Karl Kordina zum 85. Geburtstag gewidmet