Redaktion R. Hautmann, Ulm Urologe 2009 · 48:399–407 DOI 10.1007/s00120-008-1928-6 Online publiziert: 15. April 2009 © Springer Medizin Verlag 2009 R. Gillitzer 1 · C. Hampel 1 · C. Thomas 1 · F. Schmidt 1 · S.W. Melchior 1 · S. Pahernik 1 · H. Schmidberger 2 · J.W. Thüroff 1 1 Klinik und Poliklinik für Urologie, Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz 2 Klinik und Poliklinik für Radioonkologie und Strahlentherapie, Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz Bevorzugte Behandlungsoptionen des lokalisierten Prostatakarzinoms von deutschen Urologen und Radio- onkologen bei eigener Erkrankung Originalien Hintergrund und Fragestellung Die Behandlungsoptionen für das lokali- sierte Prostatakarzinom sind vielfäl- tig und sehr unterschiedlich [11, 17]. Die ausgewählte Therapieform richtet sich im wesentlichen nach Allgemeinzustand und Lebenserwartung des Patienten. Das Spektrum etablierter Behandlungsoptio- nen reicht von konservativen Therapie- strategien wie dem sog. „watchful wai- ting“ bzw. „active surveillance“ über hor- monablative Verfahren bis hin zu kura- tiven Therapieformen wie der radikalen Prostatektomie oder der Strahlenthera- pie. Darüber hinaus werden neue, mini- mal-invasive Behandlungsoptionen wie der hochintensive fokussierte Ultraschall (HIFU) und die Kryotherapie klinisch eingesetzt. Diese Vielfalt an Therapieformen so- wie der fehlende Überlegenheitsnachweis einer einzelnen Therapieoption für jede klinische Situation erschweren eine opti- male Patientenberatung [21, 22]. Urolo- gen sind dennoch bestrebt klinische Pa- rameter zu identifizieren, die eine genaue Stadieneinteilung zulassen und damit die Auswahl der geeigneten Therapie für ein bestimmtes Prognosestadium erleichtern würden [4, 12]. Bis dies zuverlässig mög- lich ist, wird die Patientenberatung wei- terhin stark von der subjektiven Meinung und klinischen Erfahrung des behandeln- den Mediziners abhängen. Zudem gibt es keinen Konsens über den optimalen chir- urgischen Zugang und über die Form der Strahlenapplikation. Diverse offene und minimal-invasive Zugangswege konkur- rieren miteinander ohne den jeweiligen Nachweis einer Überlegenheit [10, 13]. Analog sind auch in der Strahlenthera- pie verschiedene Bestrahlungsverfahren möglich. Das Ziel unserer Arbeit war, die ak- tuell bevorzugten Behandlungsoptionen von deutschen Urologen und Radioon- kologen mit einer Lebenserwartung von mindestens 10 Jahren für das lokalisierte Prostatakarzinom zu erfragen. Therapie- entscheidungen wurden nach den unter- schiedlichen Risikogruppen des Prosta- takarzinoms nach D’Amico et al. stratifi- ziert [2]. Material und Methoden Männliche Mitglieder der entsprechenden Fachgesellschaften (3217 Urologen und 598 Radioonkologen) wurden mittels Fra- gebogen kontaktiert. Gefragt wurde zum einen, ob beim Adressat in der Vergan- genheit ein Prostatakarzinom diagnosti- ziert worden war und – falls zutreffend – welche primäre Behandlungsmethode an- gewandt worden war. Zudem wurde nach Therapiekomplikationen, Notwendigkeit einer zusätzlichen krankheitsspezifischen Therapie und allgemeinen Zufriedenheit mit der ausgewählten Therapie gefragt. Andererseits wurden die Fachärzte nach ihrer bevorzugten Primärtherapie- option befragt, falls sie an einem lokal be- grenzten Prostatakarzinom erkranken würden. Dabei sollte von einer Lebenser- wartung von mindestens 10 Jahren ausge- gangen werden. Weiterhin wurden der be- vorzugte chirurgische Zugangsweg (retro- pubisch, laparoskopisch, perineal) und die Form der Strahlenapplikation (Brachythe- rapie, perkutane Radiatio, kombinierte Radiatio) abgefragt. Die möglichen The- rapieoptionen sollten entsprechend der Risikoeinteilung des Prostatakarzinoms von D’Amico et al. [2], nämlich niedrigem (Gleason-Score≤6; PSA≤10 ng/ml; T1c), mittlerem (Gleason-Score=7; PSA>10 bis <20 ng/ml; T2b) und hohem Rezidivri- siko (Gleason-Score≥8; PSA≥20 ng/ml; T2c–T3) differenziert werden. Der Fragebogen ist in . Abb. 1 dar- gestellt. Für die Auswertung der bevor- zugten Therapieoption wurden nur Frage- bogen berücksichtigt, die Antworten mit Einfachnennung beinhalteten. Dem- nach konnten Angaben zur bevorzugten Primärtherapieoption von 1300 Urologen (94%) und 235 Radioonkologen (97%) in die Analyse eingeschlossen werden. Die statistische Auswertung erfolgte mit dem exakten Fisher Test für unverbundene Stichproben. Ergebnisse Die Fragebogenrücklaufquote lag bei 49% für Urologen und bei 41% für Radioonko- logen (. Tab. 1). Das mittlere Alter be- 399 Der Urologe 4 · 2009 |