TITELTHEMA: INFRASTRUKTUR 8 ENERGIEWIRTSCHAFTLICHE TAGESFRAGEN 60. Jg. (2010) Heft 12 Inwieweit die Anreizregulierung den Netz- betreibern ermöglicht, in Forschung und Entwicklung (F&E) aktiv zu sein und wie sie weiterentwickelt werden kann, wird derzeit vom Öko-Institut im Forschungsprojekt „In- novative Regulierung für intelligente Netze“ (IRIN) untersucht. Auswirkungen der Anreiz- regulierung auf Innovationen Die Anreizregulierung ist vor allem einge- führt worden, um die kurzfristige Efizienz in den Netzen zu erhöhen. Mit dem Wechsel von der kostenbasierten Regulierung zur Anreizregulierung war aber auch die Hoff- nung verbunden, dass damit auch die In- novationsfähigkeit der Netze gestärkt wird. Betrachtet man jedoch genauer, wie die An- reizregulierung auf die regulierten Unter- nehmen wirkt, dann wird diese Vermutung kaum untermauert. Zwar gibt es im Strom- sektor auch international weder für die eine noch für die andere These aussagekräftige empirische Belege – teilweise weil die An- reizregulierung erst vor kurzem eingeführt wurde, teilweise weil Stromnetzbetreiber in der alten Welt vor der Anreizregulierung sowieso nur ein sehr geringes Interesse an F&E hatten und entsprechend auch kein Rückgang beobachtet werden kann. Die folgenden Überlegungen stützen jedoch die These, dass die reine Anreizregulierung nicht wie ursprünglich erwartet eine inno- vationsfördernde Wirkung hat und Innova- tionen im Vergleich zur zuvor verbreiteten kostenbasierten Regulierung sogar eher be- hindern kann [1, 2, 3]. Netzinnovationen und Netzregulierung im Dilemma zwischen Kostenefizienz und Investitionsbedarf Dierk Bauknecht und Matthias Koch Die Anreizregulierung der Stromnetzmonopole, die Anfang 2009 auch in Deutschland gestartet ist, wurde vor allem ent- wickelt, um Anreize für einen möglichst kostenefizienten Netzbetrieb zu vermitteln. Vor allem in Folge des Ausbaus der erneuerbaren Energien und der dezentralen Erzeugung stellt sich aber die Frage, wie auch andere politische Ziele und die langfristige Entwicklung der Netzinfrastruktur in diesen Regulierungsrahmen integriert werden können. Insbesondere bei der Entwicklung von intelligenten Netzen geht es dabei nicht mehr nur um Erweiterungsinvestitionen im Rahmen der beste- henden Netzstruktur, sondern auch um die Entwicklung innovativer Netzkonzepte. Ein Blick nach Großbritannien zeigt, wie sich durch die Wahl geeigneter Regulierungsinstrumente Kostenefizienz und Investitionen in Netzinnovationen vereinbaren lassen. Innerhalb der Anreizregulierung können die Unternehmen die Kosten und damit das Innovationsrisiko nicht mehr wie bei der kostenbasierten Regulierung direkt an die Kunden weiterreichen. Vielmehr müssen sie die Kosten für F&E dadurch erwirtschaf- ten, dass die Innovationen zu tatsächlichen Kostensenkungen im Netz führen. Im Ge- gensatz zur kostenbasierten Regulierung haben die regulierten Unternehmen also zunächst einen Anreiz, F&E nicht als Selbst- zweck zu betreiben, sondern möglichst ef- fektive und efiziente Innovationen zu ent- wickeln. Allerdings können die Unternehmen nur zeitlich begrenzt von den Innovationsge- winnen proitieren. Dadurch wird es für die Netzbetreiber schwierig, Innovationskosten zu reinanzieren, gerade wenn die Innova- tionen zu kurzfristig hohen Kosten und langfristigen Verbesserungen im Netz füh- ren. Innerhalb einer Regulierungsperiode werden die genehmigten Netzentgelte von der Regulierungsbehörde zwar im Prinzip nicht angetastet, wodurch niedrigere Kosten zu höheren Renditen führen. Mit Beginn der nächsten Regulierungsperiode werden die Efizienzgewinne dann allerdings abge- schöpft und die Netzentgelte entsprechend nach unten angepasst. Bei dieser Anpassung der Netzentgelte be- rücksichtigt der Regulierer nicht, ob Kos- Für eine erfolgreiche Integration dezentraler und erneuerbarer Energien in die Netze muss die Anreizregulierung um Innovationsanreize ergänzt werden Foto: Getty Images