Frühjahrstagung 41 Prof. Dr. Wolfgang Sandner, Max-Born- Institut für Nicht- lineare Optik und Kurzzeitspektrosko- pie, Berlin Arbeitskreis Atome, Moleküle, Quantenoptik und Plasmen Flexibilität im Innern und nach außen, dabei gleichzeitig Konti- nuität und langfristige Koordinati- on, das sind die Ziele des Arbeits- kreises AMOP (Atome, Moleküle, Quantenoptik und Plasmen), wenn es um die gemeinsame Teilnahme an Frühjahrstagungen geht. Manch- mal können die Gegensätze kaum größer sein: Trafen sich die sechs beteiligten Fachverbände letztes Jahr noch im kleinen, fast fami- liären Kreis auf zwei getrennten Ta- gungen in Konstanz und Bayreuth, so war man dieses Jahr wieder bei- sammen und gleichzeitig auf der großen Haupttagung in Heidelberg, zusammen mit weit über 2000 Phy- sikern aus 13 Fachverbänden. Das Angebot an Vorträgen und Parallel- veranstaltungen war beinahe über- wältigend, dennoch – oder des- halb? – klagte keiner der AMOP- Fachverbände über mangelnde Teilnahme oder Diskussionsbereit- schaft bei seinen Veranstaltungen. Man hatte allerdings auch wie- der vorgesorgt: Nach dem letzt- jährigen Vorbild wurden wieder fachverbandsübergreifende Sonder- symposien eingerichtet, die bei der Anmeldung wie eigene Fachverbän- de behandelt wurden. Dem Anlaß angemessen waren diesmal die Symposien nicht nur auf den AMOP-Arbeitskreis beschränkt, sondern schlossen z. B. auch die Mathematische Physik (bei der Quanteninformation) oder die Um- weltphysik mit ein. Die folgenden Beiträge zeigen, daß manche der Symposiumsthemen (so z. B. Clu- ster, Laserkühlung oder die Wech- selwirkung in starken Laserfeldern) in der Tat fachübergreifend und hochaktuell sind und teilweise zu- sätzlich in den Fachverbänden aus verschiedenen Blickwinkeln be- leuchtet wurden. Darüber hinaus gab es zahlreiche interne Symposi- en zu Schwerpunktthemen inner- halb der Fachverbände. Vielleicht war diese Strukturie- rung hilfreich zur Orientierung auf der Tagung – insbesondere für die zahlreich teilnehmenden Studenten oder auch für Besucher aus anderen Fachverbänden. Auf dieser Tagung sollte wirklich für jeden etwas dabei gewesen sein, sei es im eigenen Fachgebiet oder bei den „Nach- barn“. Die AMOP-Fachverbände sind Karlheinz Meier und seinem Team besonders dankbar, daß sie das Wagnis der Organisation einer solch großen und diversen Tagung erfolgreich auf sich genommen ha- ben! (W. Sandner) Im Fachverband Atomphysik (A) fokussierten zwei interne Symposien, nämlich Fragmentation komplexer Systeme (Organisator H. O. Lutz, Bielefeld) und Atomphysik hochgeladener Ionen (J. Kluge, Darmstadt) gegenwärtig interessan- te Forschungsrichtungen und stell- ten gleichzeitig Verbindungen her zu anderen Fachverbänden, insbe- sondere der Molekülphysik, der Quantenoptik und der Kurzzeit- physik. Der Plenarvortrag von H. Schmidt-Böcking über hochauf- lösende Impulsspektroskopie der Helium-Doppelionisation stellte zusätzlich eine methodisch interes- sante Verbindung zwischen diesen beiden Themenfeldern dar. Dane- ben gab es Hauptvorträge zu aktu- ellen Einzelthemen: Höchstauf- lösende Doppelresonanzspektro- skopie hochangeregter Zustände in Atomen und Molekülen (Merkt), Dunkelresonanzen und laserindu- zierte Kontinuumsstrukturen (Half- mann), Antiprotonische Atome (Widmann) sowie atomphysikali- sche Untersuchungen mit Bose-Ein- stein-Kondensaten (Sengstock). Sie alle belegten, daß die Atomphysik ihre moderne Rolle als „Teststand“ für neue Konzepte, Methoden und Theorien selbst in benachbarten Fachgebieten gut ausfüllt. Im Mittelpunkt des Fragmentati- onssymposiums standen fünf Hauptvorträge. Eine Einführung gab J. M. Rost (Berlin/Dresden) mit der Diskussion grundlegender Prin- zipien von Fragmentationsprozes- sen: schnelle Zerfälle hinterlassen die Spuren des Anfangszustands in den Fragmentprodukten; bei schwellennahen Prozessen dagegen verliert der Komplex durch chaoti- sche Dynamik diese Erinnerung. Die Photoionisation und -fragmen- tation kleiner Moleküle wurde durch R. Dörner (Frankfurt) und U. Müller (Freiburg) diskutiert, R. Moshammer (Freiburg) behan- delte die Analogie von Prozessen im ultrakurzen Feld eines schnellen hochgeladenen Ions und in intensi- ven Photonenfeldern. Ionenstoß- induzierte Vorgänge in größeren Clustern und Fullerenen waren das Thema von B. Huber (Grenoble). Diese Diskussionen wurden in drei Fachsitzungen wieder aufgenom- men, die einen breiten Überblick gaben über das Spektrum der ge- genwärtig besonders aktuellen Pro- bleme, vom Zerfall elektronisch hochangeregter Zustände in Ato- men bis hin zur Fragmentation großer Cluster durch Ionenstoß und intensive Laser. Das Symposium „hochgeladene Ionen“ trug u. a. der Tatsache Rech- nung, daß der weitaus größte Teil der Materie im Universum als heißes, hochionisiertes Sternplasma existiert. Gerade die letzten Jahre haben einen „Quantensprung“ in Tagungsnachlese Heidelberg Atome, Moleküle, Quantenoptik und Plasmen Elementarteilchenphysik, Gravitation, und Relativitätstheorie, Theoretische und Mathematische Grundlagen der Physik, Umweltphysik, Strahlenphysik und Strahlenwirkung, Geschichte der Physik, Physik und Abrüstung, Energie Physikalische Blätter 55 (1999) Nr. 7/8 0031-9279/99/0707-41 $17.50+50/0 © WILEY-VCH Verlag GmbH, D-69451 Weinheim, 1999 Neues Ehrenmitglied der DPG Prof. Dr. Werner Buckel, Karlsruhe, (links) wurde für seine großen Verdienste um die Physik und die Deutsche Physikalische Gesellschaft zum DPG- Ehrenmitglied gewählt. In Heidelberg überreichte ihm DPG-Präsident Bradshaw während der Fest- sitzung die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft. (alle Fotos: H.-G. Siebig)