Ophthalmologe 2008 · 105:656–660 DOI 10.1007/s00347-007-1668-9 Online publiziert: 17. April 2008 © Springer Medizin Verlag 2008 N. Bellios · F.K. Horn · R. Lämmer · K. Gottschalk · K. Dehne · S. Rühl · A.G.M. Jünemann Augenklinik des Universitätsklinikums Erlangen Überschwellige periphere Stimulation bei präperi- metrischen Glaukomen Originalien Die automatische statische Weiß-auf- weiß-Perimetrie hat sich als eines der wichtigsten Untersuchungsverfahren in der Glaukomdiagnostik und Verlaufs- kontrolle bewährt. Trotz der Entwick- lung vieler neuer psychophysischer und elektrophysiologischer Untersuchungs- verfahren [9] hat die konventionelle Pe- rimetrie wegen der hohen diagnosti- schen Wertigkeit, der einfachen Durch- fürung und der relativ geringen Belas- tung für die Patienten nicht an Wichtig- keit verloren. Sie ist in der ophthalmolo- gischen Praxis ein sehr weit verbreitetes Routineverfahren, sowohl in den Kli- niken als auch im ambulanten Bereich. Verschiedene Untersuchungsraster und -strategien wurden im Laufe der letzten Jahrzehnte entwickelt – mit dem Ziel, die erforderliche Untersuchungszeit bei gleichzeitiger Verbesserung der diagnos- tischen Aussagekraft zu verringern. Es hat sich ein Untersuchungsraster mit ei- ner Testpunktanordnung in den zentra- len 30° des Gesichtsfelds (Bjerrum-Are- al) durchgesetzt, wobei für jeden einzel- nen Testort eine genaue Schwellenwert- bestimmung erfolgt und daraus verschie- dene Globalindizes berechnet werden [1, 4, 13, 18, 25]. Damit werden die für das Glaukom typischen parazentralen und bogenförmigen Gesichtsfeldausfälle de- tailliert erfasst und deren Langzeitverhal- ten kontrolliert. Zahlreiche Studien ha- ben gezeigt, dass morphologische Verän- derungen der Papille einer solchen peri- metrischen Manifestation der Erkran- kung im zentralen Gesichtsfeld voraus- gehen können [15, 16]. Diese sog. präpe- rimetrischen Glaukome zeigen keine De- fekte in der konventionellen 30°-Weiß- auf-weiß-Perimetrie. Allerdings können auch andere, weiter in der Peripherie lie- gende Defekte glaukomspezifisch sein. Besonders im Bereich der nasalen Peri- pherie sind glaukomatöse Ausfälle be- schrieben worden (nasaler Sprung) [3, 17, 24]. Treten diese Ausfälle kombiniert mit zentralen Defekten auf, ist deren Be- stimmung nicht von entscheidender Be- deutung. Kommen sie aber bei noch nor- malem zentralem Gesichtsfeld vor, kann die alleinige Betrachtung des zentralen Gesichtsfelds zu falschen Schlüssen mit wichtigen Konsequenzen für die Stellung der Diagnose und die Therapieplanung führen. Das Octopus Perimeter bietet die Möglichkeit im Rahmen des speziell für das Glaukom entwickelten G1-Pro- gramms [5] die Peripherie qualitativ zu untersuchen. Auch mit dem Humphrey Field Analyser ist die Untersuchung der Peripherie mit verschiedenen Strategien möglich. Ziel diese Studie war, in der Pe- ripherie liegende Defekte mittels über- schwelliger Stimulation bei Glaukom- patienten mit normalem zentralem Ge- sichtsfeld zu erfassen, deren Häufigkeit mit der von Normalprobanden zu ver- gleichen und so die diagnostische Aus- sagekraft solcher Untersuchungen mit Hinsicht auf das Vorliegen einer frühen Glaukomerkrankung zu evaluieren. Abb. 1 9 a Glaukomatös veränderte Papille mit Ker- be bei 5 Uhr. b Korrespon- dierender Octopus-Aus- druck. Keine glaukomatöse Defekte, im Normbereich liegende Indizes 656 | Der Ophthalmologe 7 · 2008