Z Epileptol 2012 · 25:194–199
DOI 10.1007/s10309-012-0259-1
Online publiziert: 18. Juli 2012
© Springer-Verlag 2012
B. Wandschneider
1, 2
· C. Vollmar
1, 2, 3
· F.G. Woermann
4
· M.J. Koepp
1, 2
1
Department of Clinical and Experimental Epilepsy, UCL Institute of Neurology, London
2
MRI Unit, Epilepsy Society, Buckinghamshire
3
Neurologische Klinik und Poliklinik, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, München
4
MRT-Abteilung, Krankenhaus Mara, Epilepsiezentrum Bethel, Bielefeld
Bildgebung bei
idiopathisch
generalisierten Epilepsien
Patienten mit idiopathisch generali-
sierten Epilepsien (IGE) bieten in der
Routinebildgebung unauffällige Be-
funde. Im Zuge der fortschreitenden
Entwicklung bildgebender Verfahren
sind sie zunehmend Gegenstand mo-
derner Bildgebungsstudien. Die hier-
bei gewonnenen fokalen strukturel-
len und funktionellen Befunde stel-
len bisherige pathophysiologische
Modelle infrage.
Subtile Auffälligkeiten
im Frontallappen und in
subkortikalen Strukturen
In Post-mortem-Untersuchungen an
15 IGE-Patienten beschrieben Meencke
u. Janz [16] disseminiert verteilte dystope
Neurone, die sie als „Mikrodysgenesien“
bezeichneten. Differenzierte strukturel-
le Analysen der kortikalen und der sub-
kortikalen Hirnstrukturen sind heutzuta-
ge mit hochauflösenden MRT-Sequenzen
in vivo möglich.
Unter Anwendung eines computerge-
stützten Gehirnatlasses wurden in einer
morphometrischen Untersuchung bei
Patienten mit ausschließlich generalisiert
tonisch-klonischem Anfall (GTKA) eine
Ausdehnung der anterioren und relative
Volumenminderung der kraniokaudalen
Gehirnanteile im Vergleich zu Gesunden
berichtet [26]. Die Ergebnisse wurden als
mögliches bildmorphologisches Korrelat
der von Meencke u. Janz [16] beschriebe-
nen neuropathologischen Befunde disku-
tiert. Eine quantitative Magnetresonanz-
tomographie(MRT)-Analyse [33] zeigte
eine Zunahme der grauen Substanz bei
IGE-Patienten. Abnorme Verteilungs-
muster grauer und weißer Substanz tra-
ten zusätzlich bei 8 von 20 Patienten mit
juveniler myoklonischer Epilepsie (JME),
einem von 10 Patienten mit kindlicher
Absencen-Epilepsie (CAE), 4 von 10 Pa-
tienten mit juveniler Absencen-Epilep-
sie (JAE) und 2 von 5 Patienten mit aus-
schließlich GTKA auf, jedoch bei keinem
der 30 Gesunden. Mithilfe einer voxelba-
sierten morphometrischen Untersuchung
konnte in der gleichen JME-Kohorte eine
Zunahme der grauen Substanz in den me-
sialen Frontallappenregionen nachgewie-
sen werden [32]. Zwei weitere morpho-
metrische Untersuchungen bestätigen
eine Zunahme der grauen Substanz im
mesialen und frontobasalen Frontallap-
pen bei JME-Patienten [4, 13]. Zwei ande-
re Studien berichteten eine Reduktion der
grauen Substanz im präfrontalen Kortex
[28] und im supplementär-motorischen
Areal (SMA, [18]). Diese diskrepanten Be-
funde spiegeln am ehesten methodische
Unterschiede bei der Quantifizierung wi-
der, bestätigen jedoch konsistent das Vor-
liegen mikrostruktureller Veränderungen
in der mesialen Frontalregion. Diese Be-
obachtung wurde in einer Metaanalyse
von 7 voxelbasierten Morphometriestu-
dien zum Thema „strukturelle Verände-
rungen bei JME“ mithilfe des „signed dif-
ferential mapping“ (SDM; http://sdmpro-
ject.com/; . Abb. 1, [4, 8, 13, 15, 18, 28,
32]) bestätigt.
Bei Absencen-Epilepsien und JME-
Patienten mit Absencen beschrieben Bet-
ting et al. [5] eine Zunahme der grauen
Substanz im anterioren Thalamus. Eine
multizentrische Studie berichtete eine
Atrophie des Thalamus bei 44 CAE-Pa-
tienten [19]. Caplan et al. [6] beobachte-
ten geringere Volumina der grauen Sub-
stanz des linken Gyrus orbitofrontalis
und beider Temporallappen bei 26 CAE-
Patienten.
Abkürzungsverzeichnis
CAE kindliche Absencen-Epilepsie
DA Dopamin
DAT Dopamintransporter
DTI „diffusion tensor imaging“
EEG Elektroenzephalogramm
ETP epilepsietypisches Potenzial
FA fraktionelle Anisotropie
fMRT funktionelle Magnetresonanz-
tomographie
GABA γ-Aminobuttersäure
GTKA generalisiert tonisch-klonischer
Anfall
IGE idiopathisch generalisierte Epi-
lepsie
JAE juvenile Absencen-Epilepsie
JME juvenile myoklonische Epilepsie
MRS Magnetresonanzspektroskopie
NAA N-Acetyl-Aspartat
PE2I „N-(3-iodoprop-2E-enyl)-2β-car-
bomethoxy-3β-(4-methylphe-
nyl)nortropane“
PET Positronen-Emissions-Tomo-
graphie
SMA supplementär-motorisches Areal
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Zeitschrift für Epileptologie 3 · 2012
Leitthema