P alliativmedizin definiert sich als akti- ve und umfassende Betreuung von Patien- ten, deren Erkrankung einer kurative Be- handlung nicht mehr zugänglich ist. Die Behandlung von Schmerzen und anderen Symptomen und von psychologischen, sozialen und spirituellen Problemen steht im Vordergrund [19]. Trotz dieser allge- mein anerkannten Definition konnten bis- lang aber keine spezifischen Indikatoren für die Behandlungsqualität der Palliativ- medizin festgelegt werden. Wenn die Definition der Palliativme- dizin auch Patienten mit unheilbaren in- ternistischen oder neurologischen Er- krankungen mit einschließt, werden in den deutschen Palliativstationen doch v.a. Patienten mit Tumorerkrankungen be- handelt. Nur 5% der Patienten in der Kern- dokumentation litten an anderen unheil- baren Erkrankungen. Wie unterscheidet sich die palliativmedizinische Betreuung von einer adäquaten supportiven onko- logischen Therapie (oder einer „guten“ internistischen oder geriatrischen Be- handlung)? Für einzelne Symptome wie Schmerzen oder Übelkeit wurden zwar detaillierte palliativmedizinische Behand- lungsempfehlungen erstellt. In der Regel leiden die Palliativpatienten aber unter Originalien L. Radbruch 1 · C. Ostgathe 2 · F. Elsner 3 · F. Nauck 2 · C. Bausewein 4 · M. Fuchs 5 · G. Lindena 6 K. Neuwöhner 7 · D. Schulenberg 8 1 Klinik für Palliativmedizin, Universitätsklinikum Aachen · 2 Abteilung für Anästhesiologie und Palliativmedizin, Malteser-Krankenhaus der Universität Bonn · 3 Schmerzambulanz der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Universitätsklinikum Köln · 4 Interdisziplinäre Einrichtung für Palliativmedizin, Universität München · 5 Palliativstation der Abteilung für Innere Medizin, St.-Elisabeth-Krankenhaus Neuwied · 6 Clinical Analysis, Research and Application, Kleinmachnow · 7 Palliativstation,Dr.-Hancken-Klinik Stade · 8 Deutsche Krebsgesellschaft Prozesse und Interventionen auf den deutschen Palliativ- stationen Ergebnisse der Kerndokumentation 2001 vielen Symptomen und Problemen gleich- zeitig, und für die ganzheitliche und um- fassende Behandlung liegen nur allgemei- ne Empfehlungen vor,aus denen sich kei- ne klaren Qualitätsindikatoren ablesen lassen. Seit 1996 entwickelt eine Arbeitsgrup- pe von Palliativmedizinern verschiedener Palliativstationen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Palliativme- dizin eine Kerndokumentation für Pallia- tiveinrichtungen. Aus dieser Kerndoku- mentation soll eine standardisierte Do- kumentation für die Palliativmedizin ent- wickelt und die Evaluation palliativmedi- zinischer Konzepte ermöglicht werden. Die Auswertungen aus den Evaluations- phasen 1999 und 2000 zeigten die Effek- tivität der Palliativmedizin, aber auch die Unterschiede zwischen den Einrichtun- gen [2, 11, 12]. In der Evaluationsphase 2001 lag der Schwerpunkt auf der Erfassung der wich- tigsten Symptome und Probleme aus der Sicht des Behandlungsteams. Für die Do- kumentationsformulare wurden deshalb verstärkt Freitexteingaben gewählt. Aus- wertungen zur Inzidenz der Symptome und Probleme zum Zeitpunkt der Auf- nahme, die erreichte Linderung bei die- sen Problemen während der stationären Behandlung und der Zusammenhang zwi- schen der Ausstattung der Einrichtungen und der erreichten Symptomlinderung wurden bereits an anderer Stelle veröf- fentlicht [13]. Ebenso wurden Angaben zu den eingesetzten Medikamenten aus die- ser Evaluationsphase ausgewertet und Un- terschiede der Medikation nach Ge- schlecht, Alter und Funktionsstatus der Patienten beschrieben [10]. Der Schwer- punkt der vorliegenden Arbeit liegt auf den nichtmedikamentösen Interventio- nen, die während der stationären palliativ- medizinischen Behandlung durchgeführt wurden und der spezifischen medikamen- tösen und nichtmedikamentösen Thera- pie von intolerablen Symptomen und Problemen. Diese Auswertung soll damit zur Diskussion beitragen, ob es ein typi- sches Profil der palliativmedizinischen Tätigkeit gibt und sich damit Indikatoren zur Prozessqualität der Palliativmedizin identifizieren lassen. Der Schmerz 3 · 2004 | 179 Schmerz 2004 · 18:179–188 DOI 10.1007/s00482-003-0276-0 Online publiziert: 15. November 2003 © Springer-Verlag 2003 L. Radbruch und C. Ostgathe trugen zu gleichen Anteilen zum Manuskript bei. Unter Mitwirkung der Arbeitsgruppe Kerndokumentation für Palliativ- einrichtungen in Deutschland