Fußballsport als europäische Identitätsressource zwischen medialer Inszenierung und Inklusion Minas Dimitriou und Gerold Sattlecker 1 Einleitung Die in den letzten Jahrzehnten umwälzenden, strukturellen Veränderungen auf gesellschaftlicher Ebene in Europa signalisieren den Beginn einer neuen Ära, die mit der wirtschaftlichen Globalisierung, der Ausweitung von Informations- und Kommunikationstechnologien und einer politischen und sozialen Polarisierung verbunden ist (Castells 2003: 2–4). In diesen turbulenten Zeiten des gesellschaft- lichen Wandels gewinnt der Sport „als ein operational geschlossenes Sozialsys- tem“ (Stichweh 2005: 116) an Bedeutung. Aufgrund seiner Vielfältigkeit schafft der Sport günstige Voraussetzungen für Unterhaltung, Entspannung, Wohlbefin- den und Gemeinschaft. Im 2007 erschienenen „Weißbuch des Sports“ hebt die Europäische Union (EU) die soziale Bedeutung des Sports hervor: „Er fördert die aktive Beteiligung der EU-Bürger an der Gesellschaft und damit die aktive Bürgerschaft.... der Sport spielt eine äußerst wichtige Rolle in der Gesellschaft, insbesondere dafür, Europa den Bürgern näher zu bringen und Themen zu behandeln, die die Bürger direkt betreffen.“ (EK 2007: 2). Auf der anderen Seite bieten internationale Sportereignisse, mit einer Reich- weite ähnlich jener der Fußball-Weltmeisterschaft oder der Olympischen Spiele, ausgezeichnete Anlässe für das Publikum zur Konstruktion und Stabilisierung der nationalen Identität. In diesem Zusammenhang betont Loosen (1998: 122), dass „internationale Wettkämpfe im Sport auf den Vergleich der Leistungen An- gehöriger verschiedener Nationen angelegt sind, sodass die Zugehörigkeit eines Sportlers zur eigenen Nationalität (kulturelle Nähe) eine Identifikationsmöglich- keit bietet.“ Dazu leistet die Medienberichterstattung einen erheblichen Beitrag, wenn man diverse Untersuchungsergebnisse, beispielsweise von Blain et al. 1993 oder Crolley/Hand 2002 und 2006, in Betracht zieht. Die mediale Präsentation kon- zentriert sich dabei sowohl auf die inflationäre Darstellung entsprechender natio- naler Symbolik (z. B. Flaggen, Hymnen oder nationale Helden) als auch auf die