Technologiepaternalismus – Soziale Auswirkungen des Ubiquitous Computing jenseits von Privatsphäre Sarah Spiekermann 1 , Frank Pallas 2 1 Institut für Wirtschaftsinformatik, Humboldt-Universität zu Berlin 2 Fachgebiet Informatik und Gesellschaft, Technische Universität Berlin Never trust an intelligent mind if you don’t know where it keeps its brain Harry Potter Kurzfassung. Die Technologien des Ubiquitous Computing werden weitreichen- de Auswirkungen auf unser tägliches Leben haben. Derzeit konzentrieren sich die meisten Debatten zu den sozialen Auswirkungen hauptsächlich auf die Gebiete des Datenschutzes und der Datensicherheit. Jedoch vertreten die Autoren dieses Beitrags die Auffassung, dass auch weitere Aspekte aus der sozialen Perspektive betrachtet werden müssen. Insbesondere wird die Frage aufgeworfen, wie Men- schen in einer Umgebung, die immer weiter automatisiert sein soll, weiterhin die Kontrolle behalten können. Unter Hinweis auf die Möglichkeit, dass Menschen von autonom agierenden Maschinen kontrolliert werden könnten, wird der Begriff des Technologiepaternalismus eingeführt. Hierzu wird eine Arbeitsdefinition ent- wickelt und das Konzept anhand bereits existierender wie auch möglicher zukünf- tiger Technologien illustriert. Zudem wird auf die Beziehung zwischen Allgegen- wärtigkeit und Kontrolle eingegangen und Ansätze zur Sicherstellung einer ange- messenen Balance unterschiedlicher Interessen vorgestellt. Einer dieser Vorschlä- ge ist ein generelles Recht auf das letzte Wort. Ubiquitous Computing und das Problem der Kontrolle Ubiquitous Computing steht gemeinhin für das Verschwinden des Computers aus der bewussten Wahrnehmung durch den jeweiligen Nutzer. Computer – so die Vorstellung – werden in Zukunft nicht mehr als solche verwendet, sondern viel- mehr in Gegenstände des täglichen Lebens eingebettet. Den Grundstein für diese Forschungsrichtung legte Mark Weiser bereits im Jahre 1991 [Wei91]. Er prägte den Begriff des Ubiquitous Computing (im Folgenden: Ubicomp), wenngleich von einigen Wissenschaftlern Begriffe wie „Pervasive Computing“ oder „Ambient Intelligence“ bevorzugt werden. Einige Teile dieses Beitrags beruhen auf dem Aufsatz [SpP06] sowie anderen früheren Veröffentlichungen der Autoren.